Weekly House View | Die Zölle sind tot, es leben die neuen Zölle
Wochenrückblick
An den Märkten stieg letzte Woche die Unsicherheit, nachdem in den USA der Supreme Court viele der von Präsident Donald Trump verhängten globalen Zölle für rechtswidrig erklärt hatte. Das Gericht hatte entschieden, dass Trumps Anwendung des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) aus dem Jahr 1977 eine unzulässige Überschreitung seiner Notstandsbefugnisse darstellt. Unklar blieb allerdings, ob Unternehmen Anspruch auf die Rückerstattung bereits gezahlter Zölle haben. Die auf Grundlage des IEEPA erhobenen Zölle belaufen sich auf rund USD 134 Mrd., das sind 0,4% des BIP. Die amerikanischen Unternehmen bereiten nun Rückforderungen vor.
Das Urteil beflügelte die Aktienmärkte am Freitag und verhalf dem S&P 5001 für die Woche zu einem Rekordplus von 1,1% (in USD). Allerdings reagierte Trump auf das Urteil mit einer neuen Importabgabe in Höhe von zunächst 10%, die er am nächsten Tag auf 15% erhöhte. Er berief sich dabei auf den Trade Act von 1974, der dem Präsidenten erlaubt, Einfuhrbeschränkungen für eine Dauer von bis zu 150 Tagen zu erlassen.
Zu weiterer Unsicherheit führten die zunehmenden Spannungen um den Iran. Trump, der eine riesige Streitmacht im Nahen Osten zusammengezogen hat, gab dem Iran 15 Tage Zeit für eine Einigung mit den USA, andernfalls würden „schlimme Dinge passieren“. Der Iran hielt Marineübungen in der Strasse von Hormus ab.
Die Ölpreise stiegen im Verlauf der Woche um 6%. Zusätzlich verunsichert wurden die Anleger von der Ankündigung der US-amerikanischen Private-Credit-Gruppe Blue Owl, dass die Anleger aus dem ersten Private-Retail-Fonds von Blue Owl in Zukunft kein Geld mehr abziehen können.
Zitat der Woche
Andere Länder, die uns seit Jahren ausnehmen, sind ausser sich vor Glück. Sie tanzen auf den Strassen, aber lange tanzen werden sie nicht“, sagte Trump nach der Entscheidung des Supreme Court.
Zentrale Daten
Das US-BIP wuchs im 4. Quartal auf Jahresbasis um 1,4% und verfehlte damit die Erwartungen deutlich, weil die Staatsausgaben durch den Shutdown der Bundesbehörden geringer ausfielen. Das US-Handelsdefizit stieg im Dezember auf USD 70,3 Mrd. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein Defizit von USD 901,5 Mrd. – eines der grössten Defizite seit 1960.
Der Empire State Manufacturing Survey für Februar 2026 zeigt, dass der Optimismus für den Arbeitsmarkt zunimmt, und der Index für die zukünftigen Beschäftigungserwartungen stiegauf den höchsten Stand seit November 2024.
In Japan wuchs das BIP im 4. Quartal 2025 real auf Quartalsbasis um 0,1% und auf Jahresbasis um 0,2% und blieb damit unter der Konsensprognose.