Globale Fragmentierung treibt Autarkiestreben voran

Das grosse Ringen um Ressourcen

Die zunehmende Fragmentierung der Welt führt zu einem Wettlauf um die Sicherung der Ressourcensouveränität. Angesichts von Konflikten, Handelsbarrieren und Klimawandel bemühen sich Regierungen in aller Welt um Energiesicherheit und den Zugang zu wichtigen Rohstoffen.
©Topographies of Fragility I (2019), Fine-Art-Print auf Hahnemühle Photo Rag*

Zusammenfassung

Geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren und Klimawandel treiben die Fragmentierung voran und veranlassen Regierungen in aller Welt dazu, Energiesicherheit und dem Zugang zu wichtigen Rohstoffen höhere Bedeutung beizumessen. Die Weltwirtschaft präsentiert sich zwar weiterhin widerstandsfähig, bleibt jedoch anfällig für Angebotsschocks und hartnäckig hohe Inflation, die auf kurze Sicht durch die Nachfrage nach Rohstoffen für den KI-Boom angeheizt wird. Längerfristig dürfte die zunehmende Verbreitung von KI erhebliche Produktivitätssteigerungen bringen, insbesondere in den USA, in Europa und in asiatischen Schwellenländern. In diesem makrogetriebenen Umfeld sollte das langfristige Portfoliomanagement verstärkt auf Diversifikation, Sachwerte, Aktien, alternative Anlagen und erstklassige Anleihen mit Fokus auf den Heimmarkt setzen.

Key Takeaways

Globale Fragmentierung treibt Autarkiestreben voran

  • Das Streben nach Souveränität in einerfragmentierten Welt

    Geopolitische Spannungen und Handelsbarrieren zwingen Staaten dazu, den Zugang zu kritischen Ressourcen zu sichern. Dadurch wird die Weltwirtschaft anfälliger für häufigere Angebotsschocks und stärkere Preisschwankungen.

  • Auswirkungen der KI auf die Wirtschaft

    Kurzfristig erhöht die Nachfrage nach den für den KI-Boom benötigten Ressourcen den Inflationsdruck, langfristig dürfte die Verbreitung der KI jedoch die Produktivität in allen Regionen steigern.

  • Notwendigkeiteiner strategischen Anpassung der Portfolios

    Das unsichere makroökonomische Umfeld erfordert ein durchdachtes Portfoliomanagement, das Wert legt auf stärkere Diversifikation über Sachwerte, Aktien, alternative Anlagen und hochwertige festverzinsliche Anlagen hinweg.

Eine widerstandsfähige, aber doch fragile Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft erweist sich bisher als robust, aber immer häufigere und schwerere Angebotsschocks sind nach wie vor eine Bedrohung. Diese Unsicherheit dürfte zu stärkeren Preisschwankungen führen, kurzfristig noch verschärft durch die „Techflation“ aufgrund der für den Ki-Boom benötigten Ressourcen. Die Schwellenländer passen sich an und gewinnen dank ihrer Ressourcen und Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. 

In diesem Kontext steht auch unser makroökonomischer Ausblick. 

Diese fragmentierte Welt ist geprägt von einem Ringen um Souveränität und Sicherheit. Der Handelskrieg im Jahr 2025 und der Krieg zwischen den Usa und dem Iran im Jahr 2026 haben die Fragmentierung in den Bereichen Handel, Sicherheit, Rohstoffe und Finanzmärkte beschleunigt. Besonders an den Energiemärkten ist mit weiterhin hohen Risikoprämien zu rechnen.

Die fragmentierte Welt erfordert diversifizierte Portfolios, in deren Mittelpunkt Sachwerte stehen, mit einem höheren Anteil von Aktien und alternativen Anlagen, sowie bei Anleihen des oberen Qualitätsspektrums eine stärkere Ausrichtung auf inländische Papiere.

KI als neue makroökonomische und geopolitische Kraft

KI ist zu einem wichtigen politischen und geopolitischen Faktor geworden. Der Boom der KI-Investitionen verändert die Unternehmensbilanzen, führt zu höheren Gewinnmargen und stützt den Vermögenseffekt bei den Verbrauchern. Eine Herausforderung wird von der staatlichen Regulierung ausgehen, denn die Disruption durch Ki, die Probleme am Arbeitsmarkt und die Einkommensungleichheit lösen in Gesellschaft und Politik eine Gegenreaktion aus.

KI ist aber zugleich ein Booster für die Produktivität. Wir haben unsere Schätzungen zum Potenzialwachstum leicht nach oben korrigiert, um dem allmählich einsetzenden Produktivitätsschub durch KI Rechnung zu tragen. Die Usa dürften davon stärker profitieren als der Rest der Welt, doch Europa und die asiatischen Schwellenländer holen auf. Wir gehen auf längere Sicht von einer insgesamt dis inflationären Wirkung des KI-Booms aus.

Unserer Einschätzung nach ist mit einer weiterhin volatilen und hartnäckigen Inflation zu rechnen. Prognosen zufolge wird die Inflation im Durchschnitt höher bleiben als in den vergangenen Jahrzehnten, kurzfristig auch aufgrund der Preissteigerungen bei Rohstoffen und Technologie. Längerfristig sorgen strukturelle Faktoren wie die demografische Entwicklung und die Dekarbonisierung für Inflationsdruck.

Unsere Prognosen für das durchschnittliche jährliche Wachstum der nächsten zehn Jahre

Quelle: Pictet Wealth Management, LSEG, Stand: 30.06.2026.

 

Geldpolitische Stabilität, fiskalische Fragilität

Die Zentralbanken dürften ihre Unabhängigkeit bewahren und die langfristigen Inflationserwartungen stabil halten. Die Leitzinsen haben sich in den meisten Regionen unseren Schätzungen zum neutralen Zinsniveau angenähert (3,375% in den Usa und 2,25% im Euroraum), sodass die Zentralbanken im nächsten Abschwung mehr Spielraum für Lockerungen haben. 

Problematisch sind nach wie vor die Staatsfinanzen. Steigende Anleihenrenditen legen bloss, wo im öffentlichen Sektor die schwächsten Glieder sind, denn die über Jahrzehnte angehäuften Schulden engen die künftigen finanzpolitischen Handlungsmöglichkeiten ein. Allerdings rechnen wir weder in den USA noch in Europa mit einer unmittelbar bevorstehenden systemischen Staatsschuldenkrise.

Das Revival Europas hat zwar gelitten, aber das Thema ist nach wie vor relevant: Die Energiekrise im Jahr 2026 hat den Kontinent zwar hart getroffen, doch aufgrund der mehrjährigen öffentlichen und privaten Investitionsprogramme für Verteidigung, Infrastruktur und Energie wird nach wie vor mit einer Erholung des Wachstums gerechnet. Die Entwicklung geht weiter in Richtung einer stärkeren finanzpolitischen Integration des Euroraums.

China und die Schwellenländer stehen an einem Wendepunkt. Die Schwellenländer stellen sich auf die zunehmende Fragmentierung der Welt zügig ein und profitieren von der Fokussierung auf Ki, Energie und Lieferkettensicherheit, die in den einzelnen Ländern jeweils unterschiedliche Chancen eröffnet. In China setzt sich ein Modell mit geringerem, aber stabilerem langfristigem Wachstum durch, in dessen Mittelpunkt die strategischen Prioritäten des Landes stehen.

Die zunehmende Fragmentierung der Welt führt zu einem Wettlauf um die Sicherung der Ressourcensouveränität.

Das BRICS+-Bündnis mit China an der Spitze hat gezeigt, dass es dazu beitragen kann, die Wachstumsaussichten einiger Mitglieder massiv zu verbessern. Gelingt es den BRICS+Staaten, sämtliche verfügbaren Ressourcen und Einflussmöglichkeiten erfolgreich zu nutzen, könnten die positiven Effekte auf eine breitere Gruppe von Entwicklungsländern übergreifen. Das aktuelle Marktumfeld wird massgeblich von geopolitischen und makroökonomischen Faktoren bestimmt. Da diese Faktoren die Märkte noch auf Jahre hinaus dominieren dürften, müssen Risiken neu bewertet und Portfolios entsprechend angepasst werden.

Von einer globalen Diversifikation hin zu einem Fokus auf den Heimmarkt

Aus der veränderten Weltlage ergeben sich klare Auswirkungen für Anleger. Die fragmentierte Welt erfordert diversifizierte Portfolios, in deren Mittelpunkt Sachwerte stehen, mit einem höheren Anteil von Aktien und alternativen Anlagen, sowie bei Anleihen des oberen Qualitätsspektrums eine stärkere Ausrichtung auf inländische Papiere.

Nur zur Veranschaulichung. Es gibt keine Gewähr für das Erreichen dieser Projektionen, Prognosen oder erwarteten Renditen.

*Topographies of Fragility

Series Statement

Topographies of Fragility grew from a lifelong search for places in nature that offer spaces for contemplation, silence, and emotional grounding; landscapes that feel untouched by human presence. Yet over the years, I became increasingly aware of the fragile tension between their apparent permanence and their underlying vulnerability.

While working in my studio, in an attempt to clear space, I began crumpling discarded prints of the very landscapes I had photographed. What started as an unconscious gesture gradually came to reflect the way we often relate to nature itself, as something to be used, consumed and discarded.

Since the photographs exist on paper derived from trees, the manipulated print embodies a direct relationship between material, image, and environment. By physically transforming the photograph, I metaphorically transform the landscape itself, inviting reflection on the traces our actions leave behind. While we shape nature, it, in turn, shapes us.

Photography

Ingrid Weyland is an Argentinian artist whose work explores the fragile relationship between humans and the natural world through photography and material intervention.

Born into a family of sculptors and architects, she developed an early sensitivity to form, space and materiality, influences that continue to shape her practice today. Her work begins with immersive encounters in remote landscapes that become photographic works, later transformed through physical interventions to reflect on environmental fragility, memory, and the lasting traces of human action.

Her work has been exhibited internationally and recognised through awards, exhibitions and publications, including the Saatchi Art for Change Prize (Americas Winner), the Ashurst Emerging Artist Photography Prize, the Aesthetica Art Prize, a nomination for the Prix Pictet, and being selected as a Hasselblad Masters 2026 finalist.

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