Ein vorteilhaftes Umfeld
Durch die im Jahr 2025 geschlossenen Abkommen der USA mit wichtigen Handelspartnern verringert sich die Unsicherheit im Handel, die durch das von US-Präsident Trump am 2. April 2025, dem sogenannten Liberation Day, angekündigte Zollpaket ausgelöst wurde. Die Unsicherheit im Handel hat ihren Höhepunkt überschritten, nachdem die USA mit ihren wichtigsten Handelspartnern stabile Deals ausgehandelt haben.
In den USA erwarten wir am Anfang des Jahres eine Wachstumsbeschleunigung dank einer Erholung vom Government Shutdown und fiskalischer Impulse im Vorfeld der Zwischenwahlen. In Europa wird der Aufschwung durch ein Fiskalpaket in Deutschland unterstützt, und auch Japan trifft Massnahmen zur Konjunkturbelebung. In China dürfte das Wachstum im weiteren Jahresverlauf anziehen, beflügelt durch die geringere Handelsunsicherheit und zu erwartende Konjunkturmassnahmen. Wir rechnen mit einem leichten Anstieg der Inflation in den USA und der Schweiz sowie steigenden Preisen in China. Die Inflation dürfte sich im Euroraum, in Grossbritannien und in Japan abschwächen.
Die Geldpolitik wirkt ebenfalls unterstützend. Wir erwarten, dass die US-Notenbank 2026 die Zinsen weiter senken wird. Dies wird in den USA zu einem Aufschwung auf breiterer Basis beitragen, auch wenn dies zu einem Aufwärtsdruck auf die Preise führen könnte. Entscheidend wird sein, wie der Markt die Unabhängigkeit der US-Notenbank und deren Fähigkeit einschätzt, die Inflationserwartungen zu verankern. Nach dem Amtsantritt ihres neuen Präsidenten im Mai 2026 dürfte die Fed der Unterstützung der Wirtschaft eine höhere Priorität einräumen als der Erreichung des Inflationsziels. Auch in anderen führenden Volkswirtschaften rechnen wir mit einer unterstützenden Geldpolitik.
USA planen die Zahlung einer Zolldividende
Die fiskalische Stimulierung ist breit angelegt und dürfte ausgeweitet werden. In den USA sind die Zwischenwahlen im November ein „Whatever it takes“-Moment für die Republikaner. Die Demokraten haben gute Chancen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzugewinnen, deshalb muss US-Präsident Trump handeln. Die Zwischenwahlen folgen auf den 2025 erzielten Wahlsieg des Demokraten Zohran Mamdani in New York, der einmal gesagt hat: „Besteuerung ist kein Diebstahl. Kapitalismus hingegen schon“. Das Anormale wird zunehmend normal. Trumps Reaktion zielt darauf ab, das Leben der Amerikaner wieder erschwinglicher zu machen.
Der Oberste Gerichtshof urteilt nicht darüber, ob Trump Zölle erheben darf, sondern über das Wie.
Die K-förmige Entwicklung der Wirtschaft hat dazu geführt, dass die Löhne wohlhabender Amerikaner deutlich gestiegen sind und sich ihre Aktienportfolios gut entwickelt haben, vor allem wenn sie Technologietitel der „Magnificent Seven“ enthalten. Dagegen haben Haushalte aus der niedrigsten Einkommensschicht zunehmende Herausforderungen zu bewältigen. Diese Gruppe verzeichnet ein deutlich geringeres Lohnwachstum und ist von den Auswirkungen der Zölle unverhältnismässig stark betroffen. Darüber hinaus begünstigt die in dem One Big Beautiful Bill Act (OBBBA) vorgesehene Stimulierung vor allem die Wohlhabenden.
Mit fiskalpolitischen Massnahmen zur Unterstützung einkommensschwacher Verbraucher in den USA ist im Vorfeld der Zwischenwahlen zu rechnen. US-Präsident Trump plant eine Einmalzahlung von USD 2000 an die meisten US-Bürger. Die von ihm als „Dividende“ bezeichnete Zahlung soll aus Zolleinnahmen finanziert werden. Diese Massnahme würde einkommensschwächere Haushalte überproportional begünstigen. Wie diese Zahlung finanziert werden soll, bleibt allerdings offen. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA könnte den Grossteil der Zolleinnahmen als unrechtmässig erklären und damit ein grosses Loch in der Staatskasse hinterlassen. Wichtig ist jedoch, dass der Oberste Gerichtshof nicht darüber urteilt, ob Trump Zölle erheben darf, sondern über das Wie. Selbst wenn das Gerichtsurteil den Ausblick trübt, gehen wir davon aus, dass die Zölle bestehen bleiben.
Europe ist in Bewegung
Europa erlebt einen Aufschwung. Deutschland, die grösste Volkswirtschaft der Region, übernimmt dabei eine führende Rolle und setzt nach Jahren der Haushaltsdisziplin auf fiskalische Expansion. Dies wird die Konsolidierung der Staatshaushalte in Frankreich, Italien und Spanien mehr als ausgleichen. Ein mögliches Friedensabkommen für die Ukraine könnte auch den Wiederaufbau des Landes einleiten und dadurch die europäische Wirtschaft zusätzlich stärken.
Raumfahrt- und Verteidigungstechnologie zählen in Europa zu den Wachstumsbereichen. Die expansive Fiskalpolitik Deutschlands konzentriert sich auf Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben, was Innovationen und positive Effekte für die Gesamtwirtschaft begünstigt. Auch die Geldpolitik wirkt sich unterstützend auf den Aufschwung in Europa aus.
Die Spitzen der Europäischen Union wollen die wirtschaftliche Integration weiter vorantreiben. Die Europäische Union hat 2028 als Zieljahr für die Vollendung des Binnenmarkts festgelegt. Unterstützt wird dieses Vorhaben durch einen Aktionsplan für den Binnenmarkt, der darauf abzielt, strukturelle Barrieren in Bereichen wie Energie, Finanzen und Telekommunikation abzubauen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Mit der Initiative wird auch eine neue „fünfte Freiheit“ – der freie Verkehr von Wissen und Innovation – eingeführt.
Japan setzt auf fiskalische Expansion
In Asien plant Japan eigene Konjunkturpakete. Die überraschende Wahl zur Vorsitzenden der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) liess Sanae Takaichi 2025 zur ersten Premierministerin des Landes werden und läutete den Beginn einer neuen Ära der fiskalischen Expansion ein. Die Konsolidierung des japanischen Haushalts wird durch ein gewaltiges Konjunkturpaket gebremst. Konjunkturimpulse bekommen somit Vorrang vor dem Defizitabbau.
China wendet sich vom Konzept der „Involution“ ab
In China, policymakers are trying to regain economic momentum after a real estate downturn and are investing in other sectors.
Chinese President Xi Jinping is focused on an anti-involution policy – essentially taking capacity out of the industrial sector. Under involution, Chinese companies engaged in a hypercompetitive grab for market share that often involved aggressive price cuts, spurring intense competition that regulators said damaged the economy.
The anti-involution policy marks a shift away from grabbing market share at all costs to prioritising margins. This will foster a culture of investment and allow companies to make profits, and it is one of the reasons we are positive on emerging markets. We expect the gap in corporate margins between the US and China to close.
Raumfahrt- und Verteidigungstechnologie zählen in Europa zu den Wachstumsbereichen.
Dieses positive globale Umfeld dürfte 2026 unterstützend für die Weltwirtschaft sein. Wir rechnen damit, dass sich die durch die K-förmige Entwicklung der Wirtschaft entstandene Lücke von unten her schliessen wird.
Globale Wachstumsbeschleunigung und Schliessung der Lücke von unten
1 — Konsumausgaben
USA: Verbrauchervertrauen nach Einkommensschicht (Morning Consult)
2 — Investitionsausgaben
Wachstum der privaten US-Investitionen mit und ohne KI -Investitionen
3 — Rendite der Magnificent 7
Performance des S&P 493 Index vs. Magnificent 7