Nach dem Exit das eigene Vermögen verwalten

Den Umstieg vom Unternehmer zum Investor meistern

Nach dem Aufbau und Verkauf eines Unternehmens wird die plötzliche Umstellung auf das Management des eigenen Portfolios oft als herausfordernd empfunden. Wie es gelingt, sich nach einem erfolgreichen Exit mit der Rolle als Investor anzufreunden.
©2026, Financial Times

Zusammenfassung

Damit der Übergang vom Unternehmensgründer zum Investor gelingt, ist es wichtig, den Fokus zu verlagern: weg von operativer Kontrolle hin zu strategischer Geduld und langfristigem Vermögenserhalt. Während manche weiterhin aktiv bleiben möchten, ist es für andere wichtiger, sich zuerst Gedanken über ihre persönlichen Ziele zu machen, bevor sie sich auf neue Unternehmungen einlassen. Mithilfe von professioneller Beratung und durch Aufteilung ihres Kapitals kann es ehemaligen Unternehmerinnen und Unternehmern gelingen, dem Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit ebenso gerecht zu werden wie nach intellektueller Herausforderung, indem sie junge Unternehmer unterstützen. Im Rahmen einer Mentoring-Tätigkeit können sie ihre Erfahrung weitergeben, gleichzeitig profitieren sie von einem diversifizierten und nachhaltigen Portfolio.

Key Takeaways
Nach dem Exit das eigene Vermögen verwalten
  • Der psychologische Übergang zum Investieren
    Der Übergang von einer aktiven operativen Rolle hin zu einer passiven oder strategischen Rolle als Investor setzt ein anderes Mindset voraus, bei dem es nicht um die direkte Kontrolle, sondern vielmehr um Diversifizierung und Geduld geht.
  • Strategische Aufteilung des Kapitals
    Die Aufteilung des Vermögens in langfristige Kernanlagen und einen separaten Spielfonds für risikoreichere, spannende Unternehmungen kann den unternehmerischen Instinkt befriedigen und gleichzeitig die allgemeine finanzielle Stabilität sichern.
  • Die Rolle des Angel-Investors
    Durch die Bereitstellung von Kapital und Mentoring in einer frühen Phase des Unternehmensaufbaus können ehemalige Gründer weiterhin am unternehmerischen Ökosystem teilhaben, ohne dem Druck des Managementalltags ausgesetzt zu sein.

Das Leben nach dem Unternehmensverkauf

Wie können Unternehmer ihr Leben nach dem Ausstieg neu gestalten? Ein erfolgreicher Exit kann nach jahrelanger harter Arbeit und unermüdlichem Einsatz ein Triumph sein – aber auch Unsicherheit mit sich bringen. Gründer verfügen nun nicht nur über Kapital und Zeit, sie sind vielleicht auch gefordert, für ihren nächsten Lebensabschnitt neue Fähigkeiten zu entwickeln.

Es gibt keinen Grund, wichtige Entscheidungen übereilt zu treffen. Nach einem Exit bieten sich Unternehmern viele Optionen, von der Gründung neuer Unternehmen über die Investition des Erlöses in traditionelle Vermögenswerte bis hin zum Engagement als Business Angel oder Philanthrop. Entscheidend ist, dass die neuen Ziele mit den eigenen Werten und Interessen übereinstimmen.

In dieser Situation sollten sich Unternehmer ruhig ausreichend Zeit nehmen, um sich auf ihre langfristigen Ziele zu besinnen und ihr Vermögen entsprechend zu strukturieren. Dafür kann es notwendig sein, völlig neue Strukturen zu schaffen, in denen sich diese Ziele verwirklichen lassen.
— Stéphanie Lair Crommen, Head of Wealth Solutions at Pictet Wealth Management

„In dieser Situation sollten sich Unternehmer ruhig ausreichend Zeit nehmen, um sich auf ihre langfristigen Ziele zu besinnen und ihr Vermögen entsprechend zu strukturieren“, meint Stéphanie Lair Crommen, Head of Wealth Solutions bei Pictet Wealth Management. „Dafür kann es notwendig sein, völlig neue Strukturen zu schaffen, in denen sich diese Ziele verwirklichen lassen.“

Manche Gründer möchten sich sofort wieder ins Geschäft stürzen, während andere eher zurückhaltend agieren. Wer sich Zeit nimmt, um über persönliche Ziele zu reflektieren, sich mit der Familie auszutauschen und professionelle Beratung einzuholen, kann sicherstellen, dass die eigenen Entscheidungen im Einklang mit den neuen Prioritäten stehen.

Nach dem Exit: Absicht einer neuerlichen Unternehmensgründung
Weltweit ist mehr als die Hälfte der Unternehmer nach einem erfolgreichen Ausstieg bereit, es erneut zu versuchen; allerdings gibt es hier große Unterschiede zwischen den Ländern (Prozentanteil der befragten Personen nach Ländern).

Quelle: Global Entrepreneurship Monitor, 2025

Anmerkung: Die Prozentangabe steht für befragte Personen aus dem jeweiligen Land, die in den letzten 12 Monaten aus ihrem Unternehmen ausgestiegen sind und damit rechnen, dass sie in den nächsten drei Jahren wieder ein Unternehmen gründen werden; nicht alle Länder waren in die Umfrage einbezogen.

Neue Herausforderungen

Der Ausstieg aus einem Unternehmen ist zwar ein wichtiger Meilenstein, doch die Umstellung vom Unternehmer zum Investor kann in psychologischer Hinsicht komplex sein. Von der Intensität des Geschäftsbetriebs zu strategischer Geduld zu wechseln, kann für Unternehmer mit einer tiefgreifenden Identitätsverschiebung einhergehen. In den letzten 12 Monaten zogen laut einem Bericht aus dem Jahr 2024 allein in Europa fast 50 Prozent der Unternehmer stressbedingt einen Ausstieg in Erwägung.

Die gute Nachricht: Gründer sind es gewohnt, sich mit Fachleuten zu umgeben. Bei der Ausarbeitung einer Vermögensstrategie ist das von unschätzbarem Wert. Mit der Unterstützung von Vermögensverwaltern und Beratern lässt sich sicherstellen, dass die Finanzpläne zu den persönlichen Zielen und Risikoprofilen passen.

Unternehmer sind es gewohnt, alles unter Kontrolle zu haben, die Ärmel hochzukrempeln und zur Tat zu schreiten; so haben sie schließlich ihre Unternehmen aufgebaut. Wenn sie das Unternehmen verkaufen, verfügen sie plötzlich über viel Geld. Der Umgang damit erfordert nun gänzlich andere Eigenschaften. Wer beim Investieren erfolgreich sein will, muss loslassen, diversifizieren und eine langfristige Perspektive einnehmen können.
— Greg Davies, Head of Behavioural Finance at Oxford Risk

„Entscheidend ist, für Beratung offen zu sein“, meint Greg Davies, Head of Behavioural Finance bei Oxford Risk, einem Behavioral-Finance-Fintech, das mit Vermögensverwaltern und Finanzberatern zusammenarbeitet. „Unternehmer sind es gewohnt, alles unter Kontrolle zu haben, die Ärmel hochzukrempeln und zur Tat zu schreiten; so haben sie schließlich ihre Unternehmen aufgebaut”, so Davies. „Wenn sie das Unternehmen verkaufen, verfügen sie plötzlich über viel Geld. Der Umgang damit erfordert nun gänzlich andere Eigenschaften. Wer beim Investieren erfolgreich sein will, muss loslassen, diversifizieren und eine langfristige Perspektive einnehmen können.“

Unternehmertum in Europa
Bei der Gründung neuer GmbHs liegt das Vereinigte Königreich kontinuierlich vor seinen europäischen Nachbarn.

 Quelle: World Bank, 2025

Denken wie ein Investor

Dieses Umdenken ist oft nicht ganz einfach, fügt Lair Crommen hinzu. „Was Unternehmer antreibt, ist oft die Begeisterung dafür, etwas Neues aufzubauen und Herausforderungen zu meistern, die sich ihnen in den Weg stellen“, sagt sie. „Anleger hingegen tun gut daran, sich auf Vermögenssicherung, finanzielle Renditen und andere Aspekte zu konzentrieren.“

Claudia Zeisberger, Senior Affiliate Professor of Entrepreneurship and Family Enterprise an der INSEAD, ermutigt Unternehmer, ihre langfristigen Ziele im Auge zu behalten, wenn sie entscheiden, welche Chancen sie nutzen wollen: „Was möchte die Person heute und in den kommenden Jahren erreichen? Und wie muss sich dafür ggf. ihre Einstellung – und Risikobereitschaft – im Vergleich zur Phase des Unternehmensaufbaus ändern?“

Was möchte die Person heute und in den kommenden Jahren erreichen? Und wie muss sich dafür ggf. ihre Einstellung – und Risikobereitschaft – im Vergleich zur Phase des Unternehmensaufbaus ändern?
— Claudia Zeisberger, Senior Affiliate Professor of Entrepreneurship & Family Enterprise, Insead

Hier kann professionelle Beratung besonders wertvolle Dienste leisten, vor allem wenn die Berater mit den emotionalen und verhaltensbezogenen Dimensionen der Vermögensverwaltung vertraut sind. Guten Beratern ist natürlich auch klar, dass sich die Ziele eines Unternehmers wieder ändern können, wenn sich neue Gelegenheiten bieten.

Manche Unternehmer finden es hilfreich, ihr Kapital zu segmentieren. „Manchen gefällt die Vorstellung, einen bestimmten Betrag als Spielgeld zu deklarieren“, so Davies. „Dieses Geld können sie in Dinge investieren, für die sie sich interessieren und engagieren, und es ist in Ordnung, wenn sie im Umgang damit impulsiver handeln. Wenn der Rest eher traditionell in gut diversifizierte, langfristig ausgewählte Vermögenswerte investiert wird, räumen sie sich vielleicht mehr Spielraum ein, mit diesem Geld Spaß zu haben, denn sie wissen ja, dass sie auch ein Sicherheitsnetz haben.“

Dieser Balanceakt – zwischen strukturierter Disziplin und dem engagierten Sondieren neuer Möglichkeiten – könnte Anlass zu einer neuen Art der Zufriedenheit geben. Und das Investieren als solches steht dann nicht nur für den finanziellen Übergang, sondern gibt auch einen Anstoß zu persönlicher Entwicklung.

Dieser Balanceakt – zwischen strukturierter Disziplin und dem engagierten Sondieren neuer Möglichkeiten – könnte Anlass zu einer neuen Art der Zufriedenheit geben. Und das Investieren als solches steht dann nicht nur für den finanziellen Übergang, sondern gibt auch einen Anstoß zu persönlicher Entwicklung.

Angel-Investitionen in Europa: zehn Jahre Wachstum
Trotz eines Rückgangs um 13% im Jahr 2023 ist das Volumen von Angel-Investitionen in Europa nach wie vor mehr als doppelt so groß wie zehn Jahre zuvor.

Quelle: European Business Angels Network (EBAN), 2024

Das Konzept Business Angel

Eine Möglichkeit für die Verwendung des Spielgelds besteht darin, die nächste Generation von Unternehmensgründern zu unterstützen. Laut Roderick Beer, Managing Director der UK Business Angel Association, sind die Zuwächse bei Angel-Investitionen u. a. darauf zurückzuführen, dass sich Unternehmer einen Investitionsansatz wünschen, der über die traditionelle Portfoliogestaltung und -verwaltung hinausgeht. Business Angel investieren relativ hohe Beträge in aufstrebende Unternehmen, die Geld für ihr Wachstum benötigen, und bieten darüber hinaus oft auch Beratung und Unterstützung an. In Europa ist diese Form der Beteiligung in den letzten Jahren um 20 Prozent pro Jahr oder mehr gewachsen.

„Der Umstieg ist dann vielleicht nicht ganz so dramatisch, wie wenn ein tatkräftiger Unternehmer zum rein passiven Anleger wird“, meint Beer. „Wer Business Angel werden will, muss sich dennoch ziemlich umstellen, geht es doch darum, sich zurückzuhalten und den Gründern zu erlauben, ihre eigenen Fehler zu machen. Konkret können Angel-Investoren in ihrer Mentorenrolle die gesammelte unternehmerische Erfahrung einbringen und so einen echten Mehrwert schaffen, ohne selbst die Zügel in die Hand zu nehmen.“

Der Umstieg ist dann vielleicht nicht ganz so dramatisch, wie wenn ein tatkräftiger Unternehmer zum rein passiven Anleger wird.
— Roderick Beer, Chief Executive of the UK Business Angel Association

Damit können ehemalige Gründer womöglich das Bedürfnis nach eigener unternehmerischer Tätigkeit stillen. Durch Investitionen in mehrere Unternehmen in der Frühphase können sie intellektuell und emotional engagiert bleiben, ohne sich rund um die Uhr dem Druck auszusetzen, der mit der Führung eines Unternehmens einhergeht. Zudem kann es eine großartige Gelegenheit sein, sich in Bereichen zu engagieren, die ihnen in der Aufbauphase Freude bereitet hatten, fügt Zeisberger hinzu. 

„In der Wachstumsphase beschweren sich Unternehmer häufig darüber, dass sie keine Zeit mehr haben, um dem nachzugehen, was sie ursprünglich zur Gründung ihres Unternehmens motiviert hatte, weil sie zu sehr mit der Unternehmensführung beschäftigt sind“, so Zeisberger. „Nach einem Ausstieg können sie sich als Investoren in anderen Unternehmen wieder auf das zu konzentrieren, was sie wirklich interessiert.“

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