Monthly House View | Juni 2026
Hintergrund
Die globalen Märkte zeigen sich weiterhin bemerkenswert widerstandsfähig, obwohl der Irankonflikt nun bereits in den vierten Monat geht. Wie erklärt sich diese Widerstandskraft? Der Einsatz strategischer Ölreserven und fiskalische Unterstützungsmassnahmen der G7-Staaten haben dazu beigetragen, die Auswirkungen des Energieschocks abzufedern. Der entscheidende Faktor ist jedoch die Revolution der künstlichen Intelligenz (KI).
Die Nachfrage nach autonom und kontinuierlich agierenden, sogenannten agentischen KI-Systemen hat dazu beigetragen, die Belastungen durch den globalen Energieschock mehr als wettzumachen. Diese Plattformen benötigen deutlich mehr Rechenleistung und Energie als herkömmliche Chatbot-Modelle. Daher stützt der Nachfrageanstieg das Gewinnwachstum, insbesondere bei grossen Technologieunternehmen.
Die KI-Revolution stellt ein zweischneidiges Schwert dar, welches Hardwareknappheit, steigenden Energiebedarf und infrastrukturelle Herausforderungen nach sich zieht. Diese Faktoren verstärken den Inflationsdruck, der durch den Energieschock im Nahen Osten ausgelöst wurde. Falls die Strasse von Hormus über den Sommer hinaus gesperrt bleibt, ist mit weiteren Preisspitzen zu rechnen.
Wirtschaftliche Resilienz
All dies dürfte das globale Wachstum belasten. Die US-Wirtschaft erweist sich jedoch weiterhin als widerstandsfähig, getragen von Fiskalmassnahmen und KI-Investitionen. Im Gegensatz dazu droht Europa aufgrund der steigenden Energiepreise eine Stagnation. Auch Japan und Grossbritannien stehen infolge fiskalischer und politischer Herausforderungen unter Druck. In Japan haben die Behörden zwar interveniert, um den Yen zu stützen, doch der strukturelle Gegenwind im Energiesektor hält an.
Die Zentralbanken schwenken auf eine tendenziell restriktivere Geldpolitik um. Es wird erwartet, dass die Federal Reserve, jetzt unter dem Vorsitz von Kevin Warsh, die Zinsen bis Ende 2026 unverändert lassen wird. Bei der Europäischen Zentralbank und der Bank of England wird hingegen mit jeweils einer präventiven Zinserhöhung gerechnet, bevor sie eine Pause einlegen.
Das Risiko geldpolitischer Fehlentscheidungen bleibt hoch. Sollte sich die Energiekrise verschärfen oder sollten die Inflationserwartungen steigen, könnte sich ein aggressiverer Zinspfad abzeichnen.