Interview im PWC-Magazin

„Wir sind ein People Business“

Marc Pictet ist Senior-Teilhaber der Genfer Privatbank Pictet. Im Gespräch mit Gustav Baldinger, CEO von PwC, äußert sich Marc Pictet unter anderem zu Pictets Technologieinvestitionen und deren Einfluss auf Kundenbeziehungen.

Interview geführt von Gustav Baldinger, CEO von PwC

Pictet wurde 1805 in Genf gegründet und ist seit mehr als 200 Jahren im Bankgeschäft tätig. Welche Innovation prägt den Charakter der Bank bis heute?

Innovation bei Pictet ist eng verknüpft mit Unternehmertum und damit auch mit unserem Teilhabermodell, bei dem sich die geschäftsführenden Teilhaber – aktuell sind es sieben – einkaufen und später ihre Anteile an die nächste Generation weitergeben. Jede Generation muss sich neu erfinden und neu definieren und dafür sorgen, dass Innovation in der DNA von Pictet fest verankert bleibt und die Gruppe ihre langfristige Stabilität bewahrt.

Pictet gilt als Familienunternehmen mit ausgeprägtem Traditionsbewusstsein. Wie gelingt es Ihnen, mit der Zeit zu gehen, ohne das Profil der Bank zu verändern oder die Kunden zu verunsichern?

Tradition steht für Werte wie Vertrauen und langfristiges Denken, und schließt Innovation, insbesondere in Technologie, mit ein. Kunden entscheiden sich für uns nicht nur wegen unseres Traditionsbewusstseins, sondern auch wegen unserer innovativen Lösungen. Unser Teilhabermodell hilft uns dabei, ein Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation zu finden, denn unsere Teilhaber bleiben im Durchschnitt rund 21 Jahre im Amt.

Vor zwei Jahren haben wir im Bereich Asset Management unsere Strategie Quest AI lanciert. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Investitionen hilft uns, überdurchschnittliche Renditen für unsere Kunden zu erzielen.
— Marc Pictet, Senior-Teilhaber der Pictet-Gruppe

Können Sie uns ein Beispiel nennen, das diese Innovationsstärke verdeutlicht?

Vor zwei Jahren haben wir im Bereich Asset Management unsere Strategie Quest AI lanciert. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Investitionen hilft uns, überdurchschnittliche Renditen für unsere Kunden zu erzielen. Der Fonds stößt bei unseren Kunden auf großes Interesse und ist ein voller Erfolg. Er zeigt, wie Technologie zu einer erfolgreichen Finanzberatung beitragen kann.

Wie groß ist der Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die Wertschöpfungskette von Pictet?

Wir investieren in Technologie, um langfristiges Wachstum zu fördern und das Kundenengagement über die direkte Interaktion mit unseren Kunden hinaus zu verbessern. Entscheidend ist, dass Technologie unsere Mitarbeitenden nicht ersetzt, sondern sie bei ihrer Tätigkeit unterstützt. Bis 2030 dürften die Investitionen in Technologie schneller wachsen als die Investitionen in Personal.

Die meisten Unternehmen setzen KI im Back- und Middle-Office ein. Wie integriert Pictet KI in die Wachstumsstrategie des Unternehmens?

Tatsächlich stehen Effizienzsteigerungen im Back- und Middle-Office im Vordergrund, und dort werden wir auch die ersten greifbaren Ergebnisse sehen. Gleichzeitig legen wir auch großen Wert auf Kundennähe. In einer komplett digitalisierten Welt wird der menschliche Touch immer wichtiger. Wir sind ein People Business. In den kommenden Jahren werden wir weiterhin in diese Bereiche investieren, um herauszufinden, wie wir KI und ähnliche Technologien einsetzen können, um Effizienz und Produktivität zu verbessern und unsere Kunden beim Wachstum ihrer Anlagen zu unterstützen.

Was bedeuten Technologie und Innovation für die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Bankensektors, insbesondere angesichts der Tatsache, dass dessen Reputation nach dem Untergang der Credit Suisse gelitten hat und der Druck der Aufsichtsbehörden zunimmt?

Innovation spielt eine entscheidende Rolle für den Schweizer Bankensektor, wenn er angesichts von Herausforderungen wie hohen Betriebskosten und der Stärke des Schweizer Frankens wettbewerbsfähig bleiben will. Gleichwohl sorgen unsere fortlaufenden Investitionen in Technologie für Effizienzsteigerungen und mögliche Wertsteigerungen für unsere Kundinnen und Kunden, was die globale Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Banken stärkt.

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Marc Pictet

Mit Marc Pictet ist seit neun Generationen in Folge ein Mitglied der Familie Pictet im Teilhabergremium der Bank vertreten. Marc Pictet begann seine Karriere 1996 als Finanzanalyst bei Prudential Investments in den USA. 2001 stieß er zu Pictet und wurde dort 2011 zum geschäftsführenden Teilhaber ernannt. Seit Juli 2024 hat er die Rolle des Senior-Teilhabers inne und führt die Bank gemeinsam mit sechs anderen geschäftsführenden Teilhabern.

Marc Pictet, Senior-Teilhaber

Der Campus Pictet de Rochemont: „Unser neuer Hauptsitz in Genf erfüllt höchste Umweltstandards und soll zum grünsten Gebäude der Schweiz werden.“

 

Pictet wurde 1805 in Genf gegründet. Mit einem verwalteten oder verwahrten Vermögen von CHF 737 Milliarden (per 30. September 2025) ist die Privatbank das zweitgrößte Finanzinstitut der Schweiz und eine der größten privat geführten Banken Europas. Pictet bietet Privatpersonen, Familien und institutionellen Anlegern weltweit umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wealth Management und Asset Management und damit verbundene Leistungen. Die Gruppe beschäftigt 5500 Mitarbeitende und ist weltweit an 31 Standorten vertreten.

Was sind die größten Herausforderungen?

Auch wenn der Schweizer Finanzplatz weiterhin robust ist, müssen wir sicherstellen, dass sich unsere Reputation im In- und Ausland verbessert. Es hilft niemandem, Kritik gegenüber größeren Akteuren zu äußern oder zu kritisieren, was in der Vergangenheit passiert ist. Die Schweiz braucht einen guten Mix aus großen und kleinen Banken.

Gibt es ein Innovationsprojekt, bei dem Sie anfangs skeptisch waren, dann aber positiv überrascht wurden?

Quest AI ist ein Paradebeispiel, das uns alle überrascht hat. Trotz anfänglicher Bedenken hat der Fonds schnell breiten Anklang gefunden und erzielt konstant gute Performance. Außerdem ging mit der Lancierung ein Kreativitätsschub einher. Mit der Integration von KI sind viele neue Ideen entstanden. Letztendlich sollten wir alle einen kritischen Blick auf die Art und Weise werfen, wie wir unsere Arbeit machen, wie wir uns organisieren und welche Ressourcen wir brauchen, um erfolgreich zu sein.

Setzen Sie KI auch privat ein, und welchen Einfluss hat KI darauf, wie sie Pictet führen?

Privat nutze ich KI-Tools, um effizienter zu arbeiten und mich über bestimmte Themen zu informieren. Ich verwende beispielsweise ChatGPT oder Perplexity jeden Tag, um Antworten auf Fragen zu erhalten. So kann ich fundierte Antworten geben und mich bei Kundengesprächen besser einbringen. Außerdem hilft es mir im Entscheidungsprozess.

Welches Innovationsprojekt von Pictet liegt Ihnen besonders am Herzen?

Unser neuer Hauptsitz in Genf erfüllt höchste Umweltstandards und soll zum grünsten Gebäude der Schweiz werden. Die Einweihung ist für Sommer 2026 geplant. Das Projekt unterstreicht unser Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, einem festen Bestandteil unserer langfristigen Strategie, indem wir unseren CO2-Fußabdruck verringern und modernste Technologie integrieren.

Das Interview wurde im Januar 2026 auf der Website von PwC veröffentlicht.

Interview auf der Website von PwC

Text: Melanie Loos | Fotos: Michael Buholzer ©PwC 2026

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