Weekly House View | Kein Krieg, kein Frieden, kein Öl
Wochenrückblick
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben nach fast 60 Jahren ihren Austritt aus der OPEC erklärt und dem Ölkartell damit einen schweren Schlag versetzt. Der Schritt des drittgrössten Produzenten im Kreis der OPEC dürfte sich mittelfristig negativ auf den Ölpreis auswirken, denn die VAE könnten beträchtliche Reservekapazitäten haben, die sie einsetzen können, wenn die Strasse von Hormus wieder offen ist. Bei ihrem ersten Treffen nach dem Beschluss der VAE einigte sich die OPEC+ auf eine Erhöhung der Ölförderung um 188 000 Barrel pro Tag – was allein aber kaum dazu beitragen wird, die Blockade der Meerenge zu entschärfen. Präsident Donald Trump erklärte jedoch, die USA würden damit beginnen, festsitzende Schiffe aus der Meerenge hinauszugeleiten, und bezeichnete Gespräche mit dem Iran als „sehr positiv“.
Als neue Anzeichen für die Aufspaltung der Welt in rivalisierende Blöcke hat China die USD 2 Mrd. schwere Übernahme des KI-Start-ups Manus durch Meta blockiert, und Kanada hat angekündigt, einen Staatsfonds aufzulegen, der zunächst mit CAD 25 Mrd. ausgestattet sein soll.
Mittlerweile haben fast zwei Drittel der S&P-500-Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt, und 84% von ihnen haben die Erwartungen an den Gewinn pro Aktie übertroffen. Trotz des Irankonflikts sind die Prognosen nach wie vor stark. Der S&P 5001 legte letzte Woche um 0,9% zu. Die grössten Technologieunternehmen geben weiterhin mehr als erwartet für KI-Infrastruktur aus, und der Halbleiterindex SOX verzeichnete im April seine zweitbeste Monatsperformance überhaupt. Der KI-Einsatz nimmt stark zu.
Zitat der Woche
Der Research-Leiter von Gunvor, einer der grössten Ölhandelsfirmen der Welt, warnte, in wenigen Wochen drohten „grosse Schmerzen“, weil Volkswirtschaften den Einsatz von Brennstoffen einstellen müssen und in die Rezession rutschen. „Der Kipppunkt ist eindeutig der Juni“, fügte er hinzu.
Zentrale Daten
Der Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung (ESI) im Euroraum fiel auf den niedrigsten Stand seit der Covid-Pandemie.
Die Banken im Euroraum meldeten per saldo eine weitere Verschärfung der Kreditvergabestandards im 1. Quartal 2026.
Die jüngste Umfrage der Europäischen Zentralbank zu den Verbrauchererwartungen (CES) zeigte einen deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen der Verbraucher.