Weekly House View | Deal gescheitert, Meerenge gesperrt
Wochenrückblick
Präsident Donald Trump erklärte nach dem Scheitern der Verhandlungen in Pakistan, die USA würden die Strasse von Hormus für iranische Exporte sperren, was Zweifel daran nährte, dass der Waffenstillstand hält. Nach Aussagen iranischer Regierungsvertreter sind die direkten Gespräche beendet, doch über Vermittler dürften die Parteien in Kontakt bleiben. Als Haupthindernis erwiesen sich bei den Verhandlungen am Wochenende Differenzen über die nuklearen Ambitionen des Iran. Der ursprünglich verkündete zweiwöchige Waffenstillstand, der Gespräche über einen längerfristigen Deal ermöglichen sollte, löste letzte Woche an den Märkten eine Erholung aus, und der Volatilitätsindex VIX fiel unter den Stand von vor dem Konflikt.
Nun droht das angekündigte Schiffsembargo der USA die globalen Energiemärkte zu verunsichern, auch wenn Trump seine vor dem Waffenstillstand ausgestossene Drohung – „Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation sterben!“ – nicht wahr gemacht hat. Berichten zufolge war der Zustimmung des Irans zu der Waffenruhe eine Intervention Chinas vorausgegangen. Der Iran hatte wollte für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus eine Gebühr in Kryptowährung kassieren. Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sind daran zu erkennen, dass das US-Konsumklima Anfang April auf ein Rekordtief gefallen ist.
Der S&P 500i legte letzte Woche um 3,6% zu. Erstmals seit 2008 stieg die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen auf 5%, weil rasant steigende Energiekosten neue Zinsfantasien auslösten. In Ungarn räumte Ministerpräsident Viktor Orbán seine Niederlage bei den Parlamentswahlen ein, die sich als Schritt zu mehr europäischer Integration erweisen könnte.
Zitat der Woche
Aus dem Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) vom 17./18. März geht hervor, dass „die Teilnehmer die Bedeutung eines flexiblen Vorgehens bei der Anpassung der geldpolitischen Ausrichtung an die eingehenden Daten, die sich verändernden Aussichten und das Gleichgewicht der Risiken betonten.“
Zentrale Daten
Anfang April sank der Konsumklimaindex der University of Michigan auf ein Rekordtief von 47,6, weil sich Angst vor steigenden Energiepreisen breitmachte. Die US-Verbraucherpreisinflation (VPI) erhöhte sich im März sprunghaft auf 3,3%, den höchsten Stand seit zwei Jahren, was fast ausschliesslich auf den stärksten Anstieg der Benzin- und Heizölpreise zurückzuführen war, der jemals in einem Monat verzeichnet wurde. Die Kern-VPI fiel schwächer aus als erwartet (+0,2% gegenüber dem Vormonat).
In China kehrte der Erzeugerpreisindex zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren in den positiven Bereich zurück.
In Japan stiegen die inflationsbereinigten Reallöhne im Februar auf Jahresbasis um 1,9%. Dies war das stärkste Wachstum seit 2021 und lag klar über den Markterwartungen von 1,3%. Regionale Konjunkturumfragen und der Tankan-Geschäftsklimaindex vom März zeigen eine Verschlechterung der Aussichten für die kommenden Monate.