Interview mit Elif Aktuğ, geschäftsführende Teilhaberin

Modell Family Office

Privatmärkte sind für vermögende Anleger ein wichtiges Instrument gegen Volatilität. „Es besteht Spielraum, bis zu 40 Prozent des Portfolios in europäische Unternehmen aus dem Mid-Market-Segment und Hedgefonds zu investieren“, sagt Elif Aktuğ, geschäftsführende Teilhaberin bei Pictet.

Interview von Marco Capponi, Milano Finanza

Elif Aktuğ trat 2011 in die Pictet-Gruppe ein und gehört heute dem Kreis der sieben geschäftsführenden Teilhaber an. Sie verantwortet als Co-Leiterin das Wealth Management und ist CEO von Pictet Alternative Advisors, dem Geschäftsbereich für alternative Anlagen. Die auf die langfristige Verwaltung grosser Vermögen und Unternehmerfamilien spezialisierte Pictet-Gruppe blickt auf eine über 25-jährige Präsenz in Italien zurück. Dort ist sie mit den Geschäftsbereichen Wealth Management und Asset Management unter der Leitung von Alessandra Losito bzw. Paolo Paschetta vertreten.

Was sind die wichtigsten Trends, wenn es um die Präferenzen Ihrer High-Net-Worth-Kunden geht?

Insgesamt sind High-Net-Worth-Kunden in Privatmarktanlagen noch immer untergewichtet – insbesondere im Vergleich zu manchen Single Family Offices, die in ihrem Portfolio eine Allokation von 30 oder 40 Prozent haben können. Gemessen an diesem Referenzwert, der für besonders anspruchsvolle Kunden als Orientierung dienen könnte, bewegen wir uns heute oft noch im einstelligen Prozentbereich. Wir haben es jedoch mit einer Anlageklasse zu tun, die langfristiges Engagement erfordert: Gefragt ist Zeit, nicht Market Timing. Sobald die Allokation definiert ist, kommt es daher darauf an, diese sukzessive durch regelmässige Zusagen Jahr für Jahr aufzubauen.

Welche Rolle spielen Privatmarktanlagen bei der Portfoliokonstruktion für vermögende Kunden?

Die zentrale Rolle dieser Anlageklasse besteht primär in der Diversifikation. Die Rendite- und Anlagechancen an den Privatmärkten unterscheiden sich signifikant von denen an den öffentlichen Märkten. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist zudem die Reduzierung der Portfoliovolatilität, die aus dem Exposure gegenüber öffentlichen Märkten resultiert.

Und wie steht es um die Gewichtung?

Die Allokation hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Grösse des Portfolios über ein bereits bestehendes Engagement in Privatmarktanlagen – etwa durch ein Familienunternehmen – bis hin zu den Vermögenszielen, wie der Nachfolgeplanung. All diese Aspekte fliessen in die Portfoliokonstruktion ein. Es gibt daher keine pauschale Antwort. Dennoch würde ich sagen, dass ein Anteil zwischen 10 bis 15 Prozent und 30 bis 40 Prozent als grobe Referenz dienen kann.

Welche Segmente bieten die attraktivsten Chancen?

Wir sind vom europäischen Mid-Market-Segment voll und ganz überzeugt. Während man in den USA rund 50 000 private Unternehmen im Mittelstand zählt, gibt es in Europa etwa 75 000 potenzielle Zielunternehmen – das entspricht einem um 50 Prozent grösseren Anlageuniversum. Andererseits finden sich in den USA rund 190 Private-Equity-Gesellschaften, die sich aktiv auf diesen Bereich konzentrieren, während es in Europa lediglich etwa 80 sind. Das bedeutet: Der europäische Mittelstand ist im Vergleich zu den USA um 70 Prozent weniger erschlossen, was ein deutlich höheres Potenzial für die Generierung von Alpha bietet.

Ein weiteres interessantes Thema sind Hedgefonds. In jüngster Zeit entdecken viele Privatanleger in Italien diese Anlageklasse wieder neu für sich. Was treibt diese Entwicklung an?

Das aktuelle Marktumfeld, geprägt von steigender Volatilität und Turbulenzen, wirkt hierbei unterstützend. Die Fähigkeit von Hedgefonds, Verluste in Abschwungphasen zu begrenzen – wie wir es bereits Anfang der 2000er-Jahre und während der Finanzkrise 2008 gesehen haben –, ist heute besonders wertvoll. In dem aktuellen Umfeld macht die Integration von Hedgefonds ins Portfolio daher sowohl unter dem Aspekt der Diversifikation als auch zur Steuerung der Volatilität Sinn. Denn diese Anlagen ermöglichen es, in Aufwärtsphasen an den Märkten zu partizipieren, während sie in Krisenzeiten Schutz bieten. Betrachten wir unsere Hedgefonds-Strategien über einen Zeitraum von 30 Jahren, sehen wir eine durchschnittliche Performance von 6,2 Prozent bei einer Volatilität von nur 5,4 Prozent. In starken Marktphasen, wie im vergangenen Jahr, erreichte die Rendite sogar 14 Prozent.

Welche Bedeutung hat der Great Wealth Transfer für die Verwaltung der Portfolios vermögender Privatkunden?

Der Vermögenstransfer ist von historischem Ausmass: Schätzungen zufolge werden in den nächsten 20 Jahren weltweit 80 bis 120 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten weitergegeben. In Europa geht man für die kommenden fünf Jahre von rund 200 Milliarden Euro für die Schweiz und von über 300 Milliarden Euro für Italien aus. Dieses Phänomen erfordert jedoch eine vorausschauende Planung, da jede Familie eigene Bedürfnisse und Besonderheiten hat. In Italien, wo die Wirtschaft zu 85 Prozent aus familiengeführten KMU besteht, ist das Miteinander mehrerer Generationen in den Leitungsgremien von entscheidender Bedeutung. Dies bedingt ein Umfeld, das Innovation, Wachstum und Kontinuität fördert – mit dem Ziel, eine möglichst reibungslose und fliessende Staffelübergabe zu gewährleisten.

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