In einer multipolaren Welt punkten Sachwerte

Eine neue Welt(un)ordnung

In diesem Jahr scheint die Nachrichtenflut zu Finanzthemen und geopolitischen Ereignissen geradezu überwältigend. Im ersten Quartal 2026 trugen die geopolitischen Entwicklungen rund um Venezuela, Grönland und den Iran zu einer erhöhten Marktvolatilität bei. Zugleich zeigte sich das Potenzial von KI -Tools, etablierte Geschäftsmodelle auf den Kopf zu stellen.

Angesichts der immer neuen Schlagzeilen verliert man die dem langfristigen Wohlstand zugrundeliegenden Trends leicht aus dem Blick. In Zeiten wie diesen lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten, sich auf die marktbestimmenden Kräfte zu konzentrieren und die eigenen Anlagestrategien entsprechend anzupassen.

Ein Bruch in der Weltordnung

Ein wichtiger Trend, den es zu berücksichtigen gilt, ist das Aufkommen einer „multipolaren Rivalität“ und das Bestreben grosser Volkswirtschaften, ihre strategische Unabhängigkeit zu sichern. Der kanadische Premierminister Mark Carney bezeichnete diesen Wandel kürzlich als Bruch.

„Uns ist klar, dass es keine Rückkehr zur alten Ordnung geben wird“, so Carney im Januar beim Weltwirtschaftsforum. „Viele Länder kommen zum gleichen Schluss: Sie müssen ihre strategische Autonomie ausbauen – in den Bereichen Energie, Nahrungsmittel und kritischemineralische Rohstoffe ebenso wie im Finanzbereich und bei den Lieferketten.“

Diese neue Zielsetzung veranlasst Regierungen dazu, trotz weiterhin hoher Haushaltsdefizite die Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur zu erhöhen. Dadurch wächst der Druck auf Vermögenswerte wie Währungen und Staatsanleihen, deren Ausgabe staatlichen Stellen obliegt.

In der Vergangenheit haben Staatsanleihen in turbulenten Zeitenzur Portfoliodiversifizierung beigetragen. Doch diesmal gelingt das nicht im selben Mass – insbesondere seit dem Beginn des Irankriegs, als Inflationsängste die Anleihenrenditenin die Höhe trieben. Auch die verschärften Bedingungenan den privaten Kreditmärkten zeigen Wirkung, da einige grosse US-Bankenihre Kreditvergabe zurückfahren.

Aktives Management

In diesem Umfeld ist es wichtiger denn je, Portfolios aktiv zu managen und eine sorgfältige Auswahl zu treffen.

Nicht allen Unternehmen, Branchen oder Ländern wird es gelingen, sich gut auf die neuen wirtschaftlichen und technologischen Realitäten einzustellen. Seit der Coronapandemie folgt die Inflationsentwicklung anderen Mustern als zuvor. Branchen mit Bezug zu KI-Infrastruktur, Energie und Rohstoffen florieren, während andere zu kämpfen haben.

Der KI -Boom treibt den Bedarf an Rechenzentren und für deren Betrieb benötigten Rohstoffen in die Höhe. Die Investitionen in KI-Rechenzentren werden von USD 35 Mrd. im Jahr 2025 auf voraussichtlich USD 94 Mrd. im Jahr 2030 steigen – das entsprichteiner Wachstumsrate von 22 Prozent pro Jahr.

Unternehmen, die über starke Marken, Preisgestaltungsmacht und Zugang zu hochwertiger Infrastruktur verfügen, sind besser aufgestellt, das Dividendenwachstum an die Inflationsrate anzupassen. In diesem Umfeld kommt es darauf an, langfristig erfolgreiche Unternehmen zu identifizieren.

Zur Bewältigung solcher unsicheren Phasen können aktives Management, strenge Risikokontrollen und einebreite Diversifizierung – auch mit Sachwerten – dienen.

Risikomanagement

Entscheidend für die Resilienz von Portfolios ist ein disziplinierter Risikoansatz – mit einem klaren Blick auf marktbezogene und nicht marktbezogene Risiken.

Die jüngsten Ereignisse haben aufgezeigt, wie massiv sich geopolitische Risiken wie Konflikte, Klimaanpassung, rechtliche Änderungen und Engpässe in der Lieferkette auswirken können.

Mit der Sperrung der Strasse von Hormus durch den Iran wurden die Gefahren sichtbar, die durch konzentrierte Lieferketten für wichtige Güter wie Öl, Flüssigerdgas, Düngemittel, Schwefel, Helium, Methanol und Ammoniak entstehen.

Zudem haben Chinas Ausfuhrbeschränkungen für Seltene Erden und andere kritische Rohstoffe weitere Schwachstellen aufgedeckt und die Preisschwankungen verstärkt.

Gold in Prozent der gesamten Zentralbankreserven

Quelle: Pictet Wealth Management, Bloomberg L.P., Stand: 31.12.2025.

Diversifizierung

Diversifizierung ist nach wie vor die effektivste Methode, um Risikenzu managen und über verschiedene Anlageklassen hinweg Chancen zu nutzen.

In der Vergangenheit hat sich die klassische 60/40-Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen für Anleger bewährt, doch das heutige Umfeld erfordert eine etwas andere Herangehensweise.

In Zeiten des Umbruchs braucht es für den Aufbau resilienter Portfolios Disziplin, Diversifizierung und eine langfristige Ausrichtung.

Aus unserer Sicht sind Sachwerte – etwa Edelmetalle, Immobilien und Infrastruktur – nach wie vor attraktiv. Diese Anlageklassen profitieren nicht nur von strukturellen Nachfrageverschiebungen, sondern bieten Investoren potenziell auch Inflationsschutz, Ertragschancen und langfristigen Kapitalzuwachs.

Marktschwankungen hinwegsehenund sich auf die zugrunde liegenden Werttreiber konzentrieren, sind am besten für die komplexen Herausforderungen dieser neuen Ära gewappnet.

Zusammenfassung

In Zeiten des Umbruchs braucht es für den Aufbau resilienter Portfolios Disziplin, Diversifizierung und eine langfristige Ausrichtung.

Zur Bewältigung solcher unsicheren Phasen können aktives Management, strenge Risikokontrollen und einebreite Diversifizierung – auch mit Sachwerten – dienen.

Nur zu Illustrationszwecken. Es gibt keine Gewähr für das Eintreffen dieser Prognosen.
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