Globale Mobilität: Warum manche Menschen Wert auf einen zweiten Wohnsitz legen

Aufenthaltsort: Warum manche Menschen Wert auf einen zweiten Wohnsitz legen

Im Rahmen einer breit gefächerten Strategie zur Risikominimierung und zum langfristigen Schutz ihres Vermögens setzen Familien, Pensionierte und Unternehmer auf globale Mobilität.

Der Wandel hin zu globaler Mobilität

Unsere Welt wird immer komplexer. Die jüngste Zunahme geopolitischer Spannungen, Gesundheitsprobleme als Folge der Coronapandemie und größere wirtschaftliche Unsicherheit haben dazu geführt, dass Einzelpersonen und Familien Resilienz aufbauen müssen, um Risiken zu reduzieren.

Gemäß Olivier Schmidt, Head of Wealth Planning Emerging Markets bei Pictet Wealth Management, sind vermögende Personen und Familien weltweit häufig stark von diesen Trends betroffen. „Immer öfter werde ich mit Fragen konfrontiert wie: ‚Was passiert, wenn ich morgens aufwache und feststelle, dass ich keinen Zugriff mehr auf mein Vermögen habe, weil mein Land mit Sanktionen belegt wurde? Und was passiert, wenn ich plötzlich nicht mehr wie gewohnt reisen und den Rest meiner Familie sehen kann?‘,“ sagt er.

Ich höre Fragen wie ‚Was passiert, wenn ich morgens aufwache und feststelle, dass ich keinen Zugriff mehr auf mein Vermögen habe, weil mein Land mit Sanktionen belegt wurde?
— Olivier Schmidt, Head of Wealth Planning, Emerging Markets, Pictet Wealth Management

Was folgt, sind Geschichten von Familien, die sich nicht nur mit diesen Fragestellungen konfrontiert sahen, sondern auch kreative Lösungen gefunden haben. Natürlich spiegeln die Entscheidungen der Familien immer deren besonderen Umstände wider, doch alle haben einen gemeinsamen Nenner: die Frage eines zweiten Wohnsitzes – und möglicherweise einer zweiten Staatsbürgerschaft – als Teil der Strategie, Resilienz in unvorhersehbaren Zeiten zu stärken. Von einem solchen Schritt profitieren nicht nur die jeweiligen Personen und Familien, sondern auch die Aufnahmeländer, die einen finanziellen und kulturellen Nutzen aus der globalen Mobilität ziehen.

Wealthy individuals are on the rise
The number of wealthy individuals* is expected to grow by more than a quarter by 2028.
*A wealthy individual is someone with a net worth of US$30 million or more.
28.1 % Growth 2023 2028

Umgehung möglicher Sanktionen durch zweite Staatsbürgerschaft

Wirtschaftssanktionen sind ein Szenario, das seit Langem wohlhabende Familien belastet, die in Ländern leben, die im Kreuzfeuer zunehmender geopolitischer Spannungen stehen. Eine dieser Familien aus dem Nahen Osten beschloss, eine Lösung zu finden, um diesen mehrfachen Risiken zu begegnen.

Die Familie befürchtete, dass sie aufgrund ihres Wohnsitzlandes irgendwann ihre Reisefreiheit verlieren könnte. Dies würde eine große Einschränkung darstellen, weil sie aus familiären Gründen häufig nach Großbritannien reisen müssen bzw. auf den europäischen Kontinent, um geschäftlichen Interessen nachzugehen. Sie hielten es auch für möglich, dass sie aufgrund der wirtschaftlichen Sanktionen vielleicht irgendwann nicht mehr in der Lage sein würden, auf ihr inländisches Finanzvermögen zuzugreifen.

Die Lösung war eine griechische Aufenthaltsgenehmigung durch Immobilienerwerb. Durch den Kauf einer geräumigen Wohnung in der Nähe von Thessaloniki erhielt die Familie Zugang zu den Vorteilen, in einem EU-Land zu leben, einschließlich der Reisefreiheit innerhalb der 27 Mitgliedstaaten.

Das Golden-Visa-Programm Griechenlands hat Tausenden von Familien dabei geholfen, ihre Resilienz zu stärken und geografisch mobil zu sein. Aber auch Griechenland hat Nutzen daraus gezogen: Allein in den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres generierte das Visa-Programm fast eine Milliarde Euro an zusätzlichen Einnahmen und unterstützte damit die Wirtschaft in einer schwierigen Zeit.

Die Matriarchin der Familie, die nach Griechenland gezogen ist, erwägt nun, die griechische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Dieser Schritt zeigt, wie sehr sie das Leben in dem Land schätzt. Gleichzeitig hofft sie, damit die Möglichkeit zu bewahren, innerhalb der EU frei reisen zu können und künftige potenzielle Probleme beim Besuch ihrer Kinder in Großbritannien auszuräumen.

Millionaires on the move
Record migration flows recorded in 2023
Source: New World Wealth, Henley & Partners, 2024
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 51k 57k 64k 82k 95k 108k 110k 12k 25k 84k 120k 128k 135k Pandemic Projected values

Ein zweiter Wohnsitz als Zufluchtsort

Vor zwei Jahren begab sich ein Selfmadeunternehmer aus einem ehemaligen Ostblockland auf die Suche nach einem neuen sicheren Zuhause. Angesichts der Störungen in den globalen Lieferketten und der zunehmenden Handelsspannungen blickte er pessimistisch in die Zukunft. Deshalb suchte er einen Zufluchtsort, für den Fall, dass sich die Lage verschlechtern würde.

Gleichzeitig wollte er in einem Land leben, in dem Rechtssicherheit herrschte und das sich durch schöne Natur und hohe Lebensqualität auszeichnete. Weil er keine Nachkommen hatte, denen er sein Vermögen hätte vermachen können, wollte er es für die Finanzierung sozialer Projekte in seiner Geburtsstadt zur Verfügung stellen. Allerdings wollte er selbst über die Art und Weise und den zeitlichen Ablauf entscheiden.

Seine Suche brachte ihn nach Neuseeland. Das Land bot ihm globale Mobilität und die Möglichkeit, ein ruhiges Leben in einem sicheren Umfeld zu führen. Die schöne Natur in Kombination mit einer geringen Bevölkerungsdichte übertraf seine Erwartungen an ein Outdoor-Leben in spektakulären und intakten Naturlandschaften. „Wichtig war es, einen Plan B zu haben“, erklärt Olivier Schmidt von Pictet. „Er brauchte nur einen Ort für den Fall, dass er Zuflucht suchen muss.“

Gemäß Schmidt werde die Redewendung „für den Fall, dass“ in letzter Zeit immer häufiger von wohlhabenden Familien verwendet. „Nicht immer ist es so, dass die Notwendigkeit oder der Wunsch besteht, in einem anderen Land zu leben“, sagt er. „Doch die Möglichkeit dazu zu haben, ist ein wichtiger Aspekt, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“

Top 10 countries attracting wealthy individuals
UAE tops the list as some countries crack down on issuing “golden visas”
Source: New World Wealth, Henley & Partners, 2024
UAE +6,700 USA +3,800 Singapore +3,500 Canada +3,200 Australia +2,500 Italy +2,200 Switzerland +1,500 greece +1,200 portugal +800 Japan +400

Mobil bleiben während der Pandemie

Graubünden ist ein großer, aber abgelegener Kanton in der Schweiz, weit entfernt von den internationalen Wirtschafts- und Finanzzentren Zürich und Genf. Seit Jahrhunderten bietet er seinen Einwohnern saubere Luft, außergewöhnlich schöne Landschaften, eine sichere Umgebung und politische Stabilität. Seit der Coronapandemie ist er aber auch zu einem Zufluchtsort für wohlhabende Personen und Familien geworden, die mehr globale Mobilität, Sicherheit und einfachen Zugang zu modernster Gesundheitsversorgung suchen.

Ein Ehepaar aus Asien beispielsweise ließ sich in Graubünden nieder, als die Weltwirtschaft von Corona erschüttert wurde und die drastischen Maßnahmen der Behörden in ihrem Heimatland dazu führten, dass der internationale Reiseverkehr eingeschränkt und die Grenzen faktisch geschlossen wurden.

Indem sie ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlagerten, bewahrten sie sich ihre Fähigkeit, zu reisen und in der Nähe ihrer Familie zu sein. In ihrem Fall war es wie der Start in ein neues Leben.
— Olivier Schmidt, Head of Wealth Planning, Emerging Markets, Pictet Wealth Management

Das Paar war besorgt, dass es nicht mehr in der Lage sein könnte, die Familie zu besuchen, die in Europa lebte. Als Reaktion zogen sie in die Schweiz und bezogen in Graubünden ein Bilderbuchanwesen. Sie blieben länger als die 90 Tage, die mit einem Touristenvisum erlaubt sind, und profitierten während dieser Zeit von dem pragmatischen Umgang mit den Einschränkungen während der Coronapandemie, die weniger restriktiv waren als in anderen europäischen Ländern. So konnten sie in Europa umherreisen und Familienmitglieder besuchen, als die Vorschriften gelockert wurden. Darüber hinaus hatten sie auch Zugang zum Schweizer Gesundheitssystem. Ihren Wohnsitz in Graubünden haben sie bis heute.

„Indem sie ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlagerten, bewahrten sie sich ihre Fähigkeit, zu reisen und in der Nähe ihrer Familie zu sein“, sagt Schmidt. „In ihrem Fall war es wie der Start in ein neues Leben.“

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