Prix Pictet gibt während der Eröffnungswoche der Rencontres d’Arles „Jungle“ als Thema für den zwölften Zyklus bekannt
Alle zwei Jahre startet der Prix Pictet einen neuen Zyklus, der Debatten und Diskussionen zu Themen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit anregt. Der Zyklus beginnt mit der Bekanntgabe eines neuen Themas in der Eröffnungswoche der Rencontres d’Arles und gipfelt in einer weltweit tourenden Wanderausstellung. Die Themen des Prix Pictet drehten sich schon immer um einen einzelnen Begriff – beginnend mit „Water“ über „Disorder“, „Space“, „Fire“ und zuletzt „Storm“. Ein aussagekräftiger, oft abstrakter Begriff, der einen bestimmten Aspekt der Nachhaltigkeit hervorhebt und unzählige Interpretationen zulässt.
Am 9. Juli 2026 gab Michael Benson, Direktor des Prix Pictet, das Thema für den zwölften Zyklus bekannt. Es lautet Jungle. Zur Wahl dieses Themas sagte er:
„Die Urwälder der Welt sind die großen grünen Lungen unseres Planeten. Diese riesigen Kohlenstoffsenken spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung und Stabilisierung des Klimas auf der Erde. Doch weltweit befinden sich die Urwälder in einer Krise – sie sind durch Abholzung, Brände und Zerstörung bedroht. Oberflächengewässer sind verloren gegangen, und Flüsse werden zunehmend unterbrochen und verschmutzt. Die Folgen eines Verlusts oder einer Zerstörung dieser eng miteinander verflochtenen Ökosysteme reichen weit über eine veränderte Landnutzung hinaus.
Nichts im Dschungel existiert für sich allein. Es handelt sich um komplexe, miteinander verflochtene Systeme, die wir nur vage verstehen. Der Dschungel ist ein Ort voller Geheimnisse und Mysterien. Er ist ein Ort legendärer verlorener Städte und Zivilisationen, wirtschaftlicher Abenteuer und vieler zerbrochener Träume. In dieser Hinsicht spiegelt der Dschungel die heutigen Lebenswelten der Menschen stärker wider, als wir vielleicht erwarten würden. Städte, digitale Netzwerke und soziale Ökosysteme haben ihr eigenes Unterholz: Schichten der Komplexität, die ebenso viel verbergen, wie sie offenbaren.“
In den kommenden Monaten werden über 350 Persönlichkeiten aus dem internationalen Netzwerk des Prix Pictet Portfolios von Arbeiten vorschlagen, die sich mit dem Thema des zwölften Zyklus auseinandersetzen. Diese Portfolios werden dann von der unabhängigen Jury des Prix Pictet beurteilt, und im Sommer 2027 wird die Shortlist der zwölf nominierten Fotografinnen und Fotografen veröffentlicht.
Die Preisträgerin oder der Preisträger des zwölften Zyklus wird im September 2027 in London anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung der Arbeiten der nominierten Personen im Victoria and Albert Museum bekannt gegeben. Anschließend geht die Ausstellung auf Reisen und macht an mehr als einem Dutzend Orten weltweit Halt.
Alfredo Jaar, Gewinner des Prix Pictet Storm
Auf die Ankündigung folgte eine Präsentation des chilenischen Künstlers, Architekten und Filmemachers Alfredo Jaar. Jaar wurde im September 2025 im Victoria and Albert Museum in London für seine Serie „The End“ (2025) zum Gewinner des elften Zyklus des Prix Pictet, Storm, gekürt.
Der chilenische Künstler Alfredo Jaar, Gewinner des elften Zyklus des Prix Pictet.
Jaar, der allein auf der Bühne stand, sprach über seine Fotoserie „The End“, in deren Mittelpunkt der Great Salt Lake in Utah steht. Der See, von Wissenschaftlern als „ökologische Atombombe“ bezeichnet, ist ein zentrales Ökosystem der westlichen Hemisphäre, das jedoch durch übermäßige Wasserentnahme zerstört wird. Er hat seit Mitte des 19. Jahrhunderts 73 Prozent an Wasser und 60 Prozent seiner Oberfläche eingebüßt, wodurch toxischer Staub freigelegt wird und der Salzgehalt gefährlich angestiegen ist. Der Rückgang des Salzsees löst einen langfristigen Kreislauf von ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Problemen aus. Ohne eine drastische Erhöhung der Wasserzufuhr droht der Great Salt Lake vollständig zu verschwinden, was immense Schäden für die öffentliche Gesundheit, die Umwelt und die Wirtschaft von Utah zur Folge hätte.
Alfredo Jaar auf der Bühne während der Eröffnungswoche der Rencontres d’Arles.
Unterdessen zieht die Wanderausstellung zum Prix Pictet Storm weiter – mit bevorstehenden Ausstellungen im Fotografiska Shenzhen, im Norton Museum of Art in Palm Beach und in der RMIT Gallery in Melbourne.
Prix Pictet Jury
Der Prix Pictet begrüßt den in den Niederlanden geborenen britischen Unternehmer Sir Tim Smit als Vorsitzenden der unabhängigen Jury. Smit war an der Mitgestaltung der „Lost Gardens of Heligan“ und des „Eden Project“ beteiligt und tritt die Nachfolge von Sir David King an, der nach neun Zyklen zurückgetreten ist. Die vollständige Besetzung der unabhängigen Jury wird im Laufe dieses Sommers bekannt gegeben.
Die unabhängige Jury des Prix Pictet umfasst führende Persönlichkeiten aus den Bereichen Kunst, Fotojournalismus und Nachhaltigkeit, die ihr umfangreiches Fachwissen sowohl in ihrem jeweiligen Fachgebiet als auch darüber hinaus nutzen, um eine Auswahlliste und schließlich einen Gewinner zu ermitteln, dessen Arbeit zum aktuellen Thema des Preises passt und eine zentrale Botschaft zu globalen ökologischen und sozialen Fragestellungen enthält.
Prix Pictet bei Paris Photo
Letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass die Pictet-Gruppe offizieller Partner von Paris Photo wird und der Prix Pictet mit einer eigenen Ausstellung an dem Event vertreten sein wird. Die Ausstellung zum Prix Pictet wird im zentralen Ausstellungsbereich in der großen Halle des Grand Palais zu sehen sein. Sie präsentiert eine kuratierte Auswahl von Werken der Preisträgerinnen und Preisträger und verdeutlicht damit die außergewöhnliche Qualität und die Bandbreite der künstlerischen Vision, die der Prix Pictet seit 2008 würdigt. Dabei werden Themen aufgegriffen, die heute ebenso aktuell sind wie zu dem Zeitpunkt, als die Jury des Prix Pictet erstmals die Auswahl der nominierten Künstler getroffen hat.
Hinweise für die Redaktion:
Über den Prix Pictet
Der Prix Pictet wurde 2008 von der in Genf ansässigen Pictet-Gruppe ins Leben gerufen und gilt heute als der weltweit wichtigste Preis für Fotografie und Nachhaltigkeit. Er wird von einem unabhängigen Sekretariat und einer unabhängigen Jury unter Einbeziehung eines Beirats eigenständig geleitet, verwaltet und organisiert.
Jeder Zyklus des Prix Pictet ist einem Thema gewidmet, mit dem der Diskurs über Nachhaltigkeit gefördert wird. Für die Nominierung der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt, die ihre Arbeiten einreichen können, sind mehr als 350 Experten zuständig, darunter Kritiker, Kuratoren und andere Fachleute für Fotografie. Von der unabhängigen Jury wird zunächst eine Shortlist mit den zwölf besten Einreichungen erstellt. Zu den Auswahlkriterien zählen neben der künstlerischen und fotografischen Qualität auch die Originalität des Konzepts bzw. der Ausführung sowie der Bezug zum Thema des Zyklus, die Auseinandersetzung mit der Thematik und die Geschlossenheit und Kohärenz der Werkserie. Anschließend wählt die Jury aus dieser Shortlist die Serie aus, deren thematische Umsetzung am meisten überzeugen konnte, und verleiht dem Gewinner oder der Gewinnerin den mit CHF 100 000 dotierten Preis. (Weitere Informationen über den Preis und das Auswahlverfahren finden sich hier.) Die Wanderausstellung des Prix Pictet wurde weltweit von mehr als 1,5 Millionen Menschen besucht.
Die elf bisherigen Gewinnerinnen und Gewinner des Prix Pictet sind Alfredo Jaar (Storm), Gauri Gill (Human), Sally Mann (Fire), Joana Choumali (Hope), Richard Mosse (Space), Valérie Belin (Disorder), Michael Schmidt (Consumption), Luc Delahaye (Power), Mitch Epstein (Growth), Nadav Kander (Earth) und Benoit Aquin (Water).
https://www.prixpictet.com
@prixpictet
Über Alfredo Jaar
Jaar nahm an der Biennale von Venedig (1986, 2007, 2009 und 2013), der Biennale von São Paulo, Brasilien (1987, 1989, 2010 und 2021) sowie an der Documenta in Kassel, Deutschland (1987 und 2002) teil. Er hatte Einzelausstellungen im Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne (2007), in der Alten Nationalgalerie, der Berlinischen Galerie und der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin (2012), an den Rencontres d’Arles in Frankreich (2013), im Yorkshire Sculpture Park in Großbritannien (2017), am Zeitz MOCAA in Kapstadt (2020), im SESC Pompéia in São Paulo (2021) und im Hiroshima City Museum for Contemporary Art (2023). Jaar hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Hiroshima Art Prize 2018 und den Hasselblad Award 2020 in Schweden. Im Jahr 2024 wurde er mit dem Mediterranean Albert Camus Prize ausgezeichnet und in diesem Jahr mit der Edward MacDowell Medal in Peterborough, New Hampshire, USA.
Seine Werke befinden sich im Besitz zahlreicher öffentlicher und privater Sammlungen, darunter des Museum of Modern Art und Guggenheim Museum in New York, Museu de Arte de São Paulo, der Tate in London, des Centre Georges Pompidou in Paris, des M+ in Hongkong und des Tokushima Modern Art Museum in Japan. 1985 wurde er Guggenheim-Fellow und 2000 MacArthur-Fellow in den USA.