Fachkräfte und Innovatoren gesucht
Globale Mobilität als strategischer Imperativ
Die Gegenwart ist von erhöhter Volatilität geprägt, und so ziehen immer mehr sehr vermögende Privatpersonen (Ultra-High-NetWorth Individuals, UHNWI) globale Mobilität als ernsthafte Option in Erwägung. Dabei geht es nicht mehr nur um eine Verbesserung der Lebensqualität; UHNWI halten Ausschau nach Standorten, die zusätzlich eine solide rechtliche Absicherung und ein hohes Mass an persönlicher Sicherheit bieten.
Zugleich verschärfen Länder die Kriterien für Visa dieser Art und arbeiten an neuen Strategien, um nicht nur finanzkräftige Menschen, sondern auch kluge Köpfe anzuziehen. Für anspruchsvolle uhNWi-Familien und deren Berater macht das die Diversifizierung des Vermögens im Ausland zu einer komplexeren Angelegenheit.
Wachstumsmotor Fachkräfte
Viele Länder haben heute triftigere Gründe denn je, auf grenzüberschreitende Mobilität zu setzen. In Europa steigt der Altenquotient (d. h. die Zahl der Menschen im Rentenalter wächst, während die Erwerbsbevölkerung schrumpft), was den Druck auf die öffentlichen Finanzen erhöht. Ohne den Zuzug qualifizierter Migranten im erwerbsfähigen Alter müssen sich die Länder auf langsameres Wachstum, höhere Steuern und Kürzungen bei staatlichen Leistungen einstellen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nur wünschenswert, Fachkräfte ins Land zu holen – für die Wirtschaftsdynamik und Nachhaltigkeit ist es geradezu unerlässlich.
Infolgedessen befinden sich die Länder in einem intensiven Wettbewerb um die klügsten Köpfe: KI-Forscher, Ingenieure, Gründer und Wissenschaftler. Zu den wichtigsten Anreizen zählen vorteilhafte Steuerregelungen, eine solide rechtliche Absicherung sowie attraktive Verfahren, um eine Aufenthaltsberechtigung bzw. die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Seit 2023 ist die Zahl der UHNWI in Europa um 4 Prozent gestiegen.
Portugals Neuausrichtung auf die Schaffung von Arbeitsplätzen
Portugal ist eine der offensichtlichsten Erfolgsgeschichten Europas in diesem Bereich. Dank der hohen Lebensqualität und Sicherheit in Verbindung mit einer vorteilhaften Steuerregelung konnten Zehntausende ins Land geholt werden. Doch der Erfolg hat auch Schattenseiten. So ist etwa erschwinglicher Wohnraum in Lissabon und Porto zu einem Politikum geworden, und angesichts von Visa, deren Vergabe an den Kauf einer Immobilie geknüpft ist, stellt sich die unangenehme Frage, wer eigentlich die Nutzniesser der Massnahmen zur Förderung der Arbeitskräftemobilität sind. In der Schweiz wurde aufgrund der Zuwanderung ein Referendum initiiert, mit dem die Gesamtbevölkerung des Landes auf 10 Millionen beschränkt werden soll.
Portugal hat daher kürzlich einen politischen Kurswechsel in dem Bereich vollzogen. Der Schwerpunkt liegt nun weniger auf allgemeinen Life- style-bezogenen Anreizen als vielmehr auf der gezielten Anwerbung beruflich aktiver Menschen. Konkret gemeint sind damit Forscher, Innovatoren, Gründer und Fachkräfte, deren Aufenthalt mit mehr Produktivität, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Einbindung in die Realwirtschaft einhergeht. Zugleich wurde Immobilienbesitz aus den Kriterien für portugiesische „Golden Visa“ gestrichen. Diese Abkehr von der Eigentumsorientierung zugunsten der Anwerbung von globalen Talenten gilt als politisch akzeptabler.
Die Botschaft lautet keineswegs, dass Rentner oder passive Investoren unerwünscht sind. Vielmehr stützt sich das politische und wirtschaftliche Argument für Mobilität nun auf die Gründung von Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
EU setzt auf Substanz statt Status
In rechtlicher Hinsicht wird seitens der Europäischen Union eine klare Grenze gezogen: Der Zugang zu den Rechten und Freiheiten der EU darf nicht zum Verkauf stehen. Brüssel stellt sich gegen Programme zur Erlangung von Staatsbürgerschaft bzw. Aufenthaltstitel über Investitionen, denen es an wirtschaftlicher Substanz mangelt. Weniger problematisch gesehen werden Programme, die tatsächlich an Arbeits-, Forschungs- und Unternehmertätigkeit geknüpft sind. Für Entscheidungsträger in den Mitgliedstaaten ist es sowohl aus politischer als auch aus geopolitischer Sicht unerlässlich, das zu berücksichtigen.
So hat etwa Spanien sein Golden-Visa-Programm eingestellt, nachdem Bedenken bezüglich der Wohnkostenentwicklung und der Auswirkungen passiver Investitionen insgesamt laut wurden. Italien hat seine Steuerregelungen für Rückkehrer und Zuwanderer aktualisiert, damit die Vorteile vor allem jenen zugutekommen, die einen echten wirtschaftlichen Beitrag leisten. In den Niederlanden wurden die Anreize für Expats angepasst, sodass nun vor allem international mobile Fachkräfte davon profitieren und zugleich innenpolitische Überlegungen berücksichtigt werden.
Die Zukunft gehört den Innovatoren
Das Fazit ist eindeutig: Im Bereich der globalen Mobilität verlagert sich der Fokus von pauschalen Anreizen hin zur gezielten Anwerbung hochqualifizierter Erwerbstätiger. Einst auf Sonnenhungrige und passive Investoren ausgelegte Regelungen werden zugunsten derjenigen umgestaltet, deren Aufenthalt in direktem Zusammenhang mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, Innovation und der Integration in den Arbeitsmarkt des Gastlandes steht.
Für UHNWi steigen damit die Hürden für das Erlangen der Staatsbürgerschaft bzw. eines Aufenthaltstitels. Die Due-Diligence Prüfungen sind gründlicher geworden, und der Nachweis eines konkreten wirtschaftlichen Beitrags ist von entscheidender Bedeutung. Politische Stabilität, Integrationsmöglichkeiten und die Glaubwürdigkeit der Anreizsysteme sind mittlerweile ebenso wichtig wie steuerliche Vorteile. Familien müssen bereit sein, sich sinnvoll in ihr neues berufliches und soziales Umfeld einzubringen und zwar nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ihrem Fachwissen und ihren Führungsqualitäten.
Fazit
In einer Welt des Wandels ist es klar von Vorteil, über die Möglichkeit zum Umzug in ein – strategisch ausgewähltes – anderes Land zu verfügen. Für UHNWI ist ein gelungener Umzug keine Frage des glücklichen Zufalls, sondern das Ergebnis sorgfältiger Planung, fachkundiger Beratung und der Bereitschaft zur Anpassung.
Dabei ist es unverzichtbar, vertrauenswürdige Berater (Family Offices und externe Fachleute) an der Seite zu haben. Wenn Familien sich der Herausforderungen bewusst sind und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, können sie nicht nur ihr Vermögen und Vermächtnis sichern, sondern zudem ihre Gelassenheit bewahren – auch und gerade in einer Welt, in der Unsicherheit die einzige Konstante ist.