Frauen und Vermögensverwaltung

Wie Investorinnen die Vermögensverwaltung verändern

Weil das von Frauen gehaltene Vermögen zunehmend wächst, verändern ihre spezifischen Anlageprioritäten und Finanzstrategien eine Branche, die lange Zeit auf Männer ausgelegt war.
©2026, Financial Times

Der wachsende Einfluss von Frauen auf die Vermögensbildung

Derzeit findet weltweit in aller Stille eine Veränderung statt: Mehr Frauen als je zuvor bauen Vermögen auf, erben Vermögen und verwalten es. In den letzten Jahren ist das Finanzvermögen insgesamt gewachsen, wenn auch uneinheitlich, doch der von Frauen gehaltene Anteil ist überdurchschnittlich stark gestiegen. Von 2018 bis 2023 stieg das Vermögen von Frauen um 51% gegenüber einem globalen Wert von 43%.

An dieser Entwicklung zeigt sich nicht nur, dass Frauen zunehmend berufstätig sind und Unternehmen besitzen, sondern auch der Wandel gesellschaftlicher Normen in Bezug auf Vermögen und Unabhängigkeit. Dennoch entfällt auf Frauen weiterhin ein kleinerer Anteil am globalen Gesamtvermögen. Das ist nicht weiter überraschend, denn diesem realen Fortschritt steht ein seit langem bestehendes Ungleichgewicht gegenüber. Was sich nun abzeichnet, ist ein umfassenderes und inklusiveres Bild davon, wer über Vermögen verfügt und wie dieses Vermögen verwaltet wird.

Noch nie haben Frauen so schnell Vermögen für sich selbst angehäuft.
— Dina de Angelo, Managing Director at Pictet Wealth Management

„Noch nie haben Frauen so schnell Vermögen für sich selbst angehäuft“, meint Dina de Angelo, Managing Director bei Pictet Wealth Management. „Es gibt mehr berufstätige Frauen, mehr Frauen, welche die Karriereleiter erklimmen, und mehr erfolgreiche Unternehmerinnen als je zuvor.“

Das Vermögen von Frauen wächst
Anstieg des von Frauen gehaltenen Vermögens gegenüber dem globalen Durchschnitt (reale und projizierte Zahlen)

Den Bedürfnissen von Frauen gerecht werden

Vermögensverwalter und Finanzberater stellen sich zunehmend auf die Bedürfnisse ihrer wachsenden und sich wandelnden Kundenbasis ein, zu der Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund aus verschiedenen Generationen, Branchen und Kulturen zählen. Je nach ihren Lebensumständen – von Unternehmerinnen der ersten Generation über Führungskräfte bis hin zu Erbinnen, die einen Generationswechsel bewältigen müssen – unterscheiden sich ihre finanziellen Ziele, Anlagestrategien und Risikobereitschaft. „Das stereotypische Bild der Anlegerin – dass sie etwa risikoscheuer ist – stimmt zwar so nicht, doch es gibt durchaus geschlechtsspezifische Unterschiede“, fügt de Angelo hinzu. „So wollen Frauen häufig mehr wissen – sie möchten ihr Portfolio und die darin enthaltenen Unternehmen wirklich verstehen – auch, wie diese geführt werden.“

Viele der Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind sehr detailorientiert und bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für ihre persönlichen Investitionen, sondern auch bei Entscheidungen in Familienunternehmen.
— An Hui Ling, Market Head, Pictet Wealth Management Asia

Ähnliche Wünsche werden von Investorinnen in aller Welt geäußert. In Asien etwa beobachtet An Hui Ling, Market Head bei Pictet Wealth Management Asia, dass Kundinnen zunehmend eine aktivere Rolle bei Finanzentscheidungen übernehmen möchten. „Viele der Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind sehr detailorientiert und bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für ihre persönlichen Investitionen, sondern auch bei Entscheidungen in Familienunternehmen“, so An Hui Ling.

So investieren UHNW-Kundinnen ihr Vermögen
Asset-Allokation nach Geschlecht bei UHNW-Kunden

Die Vermögensverwaltungsbranche beginnt, solche Faktoren in zweierlei Hinsicht zu berücksichtigen, so Christine Yu, Mitbegründerin von Sophia, einem auf Frauen spezialisierten Anbieter von Finanzbildung. „Einerseits geht es darum, den Bedürfnissen von Investorinnen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg besser gerecht zu werden“, erklärt sie. „Was heißt das konkret? Vor der Eheschließung benötigen Frauen Unterstützung dabei, ihr Kapital gezielt für den Vermögensaufbau einzusetzen, später jedoch, wenn sie sich etwa scheiden lassen oder ihr Ehepartner stirbt, haben sie unter Umständen andere Prioritäten.“

Vor der Eheschließung benötigen Frauen Unterstützung dabei, ihr Kapital gezielt für den Vermögensaufbau einzusetzen, später jedoch, wenn sie sich etwa scheiden lassen oder ihr Ehepartner stirbt, haben sie unter Umständen andere Prioritäten.
— Christine Yu, Co-founder, Sophia

„Und andererseits ist es wichtig, dass die Branche das Klischee der risikoaversen Anlegerin hinter sich lässt, um Frauen wirklich zu erreichen“, fügt Yu hinzu. „Die Frage lautet, wie können wir ihr Interesse wecken?“ Den Forschungsergebnissen von Sophia zufolge reagieren insbesondere Frauen ablehnend auf Finanzjargon. Zugleich lassen sie sich von anderen erfolgreichen Anlegerinnen und Unternehmerinnen inspirieren.

Anlage mit Mehrwert

Studienergebnissen zufolge ist es vielen Frauen ein besonderes Anliegen, mit ihren Investitionen Ergebnisse zu erzielen, die über die finanzielle Rendite hinausgehen, vor allem punkto Nachhaltigkeit, Unternehmensethik und langfristige gesellschaftliche Auswirkungen. Ob dahinter nun klimapolitische Bedenken oder der Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit oder Unternehmensverantwortung stehen – immer mehr Frauen suchen nach Möglichkeiten, ihre Portfolios mit ihren Werten in Einklang zu bringen. „Frauen sind sich ihrer Verantwortung der nächsten Generation gegenüber oft sehr bewusst und möchten sicherstellen, dass ihre Portfolios langfristig ihren Werten entsprechen“, ergänzt de Angelo.

Ähnliches beobachtet An Hui Ling am asiatischen Markt im Bereich Vermögensplanung. „Strukturen und Strategien, die der Absicherung der nächsten Generationen dienen, finden bei Frauen mehr Anklang“, meint sie

Es ist möglich, Gewinne und Renditen zu erzielen und zugleich die Welt zu verbessern. Es ist kein Entweder-oder.
— Claudia Ukonu, Growth Lead, UpLink

Daraus lässt sich jedoch kein geringeres Interesse an finanziellen Renditen ableiten. „Es ist möglich, Gewinne und Renditen zu erzielen und zugleich die Welt zu verbessern – das versuchen wir den Anlegerinnen und Unternehmensgründerinnen, mit denen wir zusammenarbeiten, zu vermitteln“, meint Claudia Ukonu, Growth Lead bei der Innovationsplattform UpLink des Weltwirtschaftsforums. „Es ist kein Entweder-oder.“

Ukonu leitet die Investor Community von UpLink, die Anleger wie Family Offices und vermögende Privatpersonen mit aufstrebenden, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmen zusammenbringt, die für ihr Wachstum Kapital benötigen. Erfreulicherweise, so Ukonu, arbeitet UpLink mittlerweile auf beiden Seiten des Verhandlungstisches mit mehr Frauen als Männern zusammen – sogar in vielen traditionell von Männern dominierten Industriezweigen, in denen Nachhaltigkeitsinitiativen nun darauf abzielen, die Dekarbonisierung voranzutreiben.

Frauen in Führungspositionen im Finanzwesen
Von Frauen besetzte Spitzenpositionen in der globalen Finanzdienstleistungsbranche (reale und projizierte Zahlen)

Der Trend zeigt einen stetigen Anstieg im Zeitverlauf, doch der Gender-Gap ist nach wie vor signifikant.

„Wenn mehr Frauen leitende Positionen besetzen – auch im Finanzdienstleistungssektor –, wird das erhebliche Auswirkungen haben“, fügt Ukonu hinzu. „Schon jetzt gibt es mehr Diversität unter den Investoren, mit denen wir zusammenarbeiten, und das wird automatisch dazu führen, dass auch das Kapital vielfältiger eingesetzt wird.“

Das ist ein entscheidender Punkt. Mit dem wachsenden finanziellen Einfluss von Frauen nehmen auch die Möglichkeiten zu – und es erhöht sich die Verantwortung –, ihnen Leistungen anzubieten, die ihren Zielen, Werten und Lebensrealitäten entsprechen. Beim Vermögen ist die Geschlechterkluft nach wie vor riesig: Daten von Oxfam zufolge besitzen Männer weltweit immer noch USD 105 Bio. mehr an Vermögen als Frauen. Diese Kluft zu schließen, ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein Anlass, darüber nachzudenken, wie Vermögen verwaltet wird und wer die Zukunft gestalten darf.

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