Kühl bleiben in einer wärmeren Welt

Kühl bleiben in einer wärmeren Welt

Mit steigenden globalen Temperaturen wächst die Nachfrage nach effizienten und innovativen Kühltechnologien.

„Ausverkauft!“ „Nicht auf Lager!“ Als die Temperaturen in Genf in diesem Sommer Rekordwerte erreichten, blieb meine fieberhafte Suche nach einem Klimagerät erfolglos – die Nachfrage überstieg das Angebot bei Weitem.

Die Nachfrage nach Kühllösungen dürfte in den kommenden Jahren exponentiell steigen. Das gilt nicht nur für Wohnungen und Büros in einer zunehmend wärmeren Welt, sondern auch für die wachsende Zahl von Rechenzentren, die die KI-Revolution erst ermöglichen.

Das Angebot muss entsprechend ausgebaut werden. Daraus ergeben sich neue Impulse für Innovationen und interessante Anlagechancen.

Während der frühsommerlichen Hitzewelle in Europa lagen die Temperaturen in Grossstädten 5 bis 12 Grad über dem in dieser Jahreszeit üblichen Durchschnitt. Schätzungen zufolge gab es rund 25.000 Hitzetote. In den USA zeigte sich ein ähnliches Bild: Hitzewarnungen und Stromausfälle prägten den Nationalfeiertag am 4. Juli.

Die steigenden Kosten der Hitze

Dennoch weist Europa weltweit eine der niedrigsten Verbreitungsquoten von Klimaanlagen auf. Weniger als jeder vierte Haushalt verfügt über eine Klimaanlage, verglichen mit rund 90% in den USA.1 Laut der Internationalen Energieagentur haben weltweit rund 40% der Bevölkerung Zugang zu Klimaanlagen. Etwa doppelt so viele Menschen benötigen zumindest während eines Teils des Jahres Kühlung.

Das wird sich ändern müssen. Mit der fortschreitenden Erderwärmung sind Kühlgeräte längst nicht mehr nur ein Komfort- oder Luxusgut; sie werden zunehmend zu einer grundlegenden Notwendigkeit. Auch die Produktivität leidet unter der Hitze – was viele von uns bestätigen können, die während einer Hitzewelle ohne Klimaanlage arbeiten mussten.

Extreme Wetterereignisse haben die Weltwirtschaft im vergangenen Jahrzehnt rund 2 Bio. US-Dollar gekostet. Ohne Gegenmassnahmen könnten allein höhere Temperaturen bis 2030 jährlich Produktivitätsverluste in Billionenhöhe verursachen.

Laut Untersuchungen der World Meteorological Organization sinkt die Arbeitsproduktivität mit jedem Grad über 20 °C um 2–3%.2

Kühllösungen: Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel

Das Potenzial von Anpassungslösungen ist jedoch ebenso beachtlich. Das Global Center on Adaptation schätzt, dass weltweite Investitionen von 1,8 Bio. US-Dollar bis 2030 einen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nutzen von rund 7 Bio. US-Dollar generieren könnten.

Klimaanpassung hat viele Facetten – sie reicht von resilienteren Infrastrukturen und Stromnetzen bis hin zum Einsatz von Sensoren, Drohnen und KI zur Brandverhütung. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Temperaturregelung. Wir brauchen Gebäude und Systeme, die Menschen, Anlagen und Daten zuverlässig schützen.

Zwischen dem Kühlbedarf und den verfügbaren Kühlkapazitäten besteht eine erhebliche Lücke. Um diese Lücke effizient zu schliessen, ohne die Stromnetze zusätzlich übermässig zu belasten, braucht es eine neue Generation hocheffizienter Lösungen für das Wärmemanagement in Wohngebäuden, Krankenhäusern, Schulen und Rechenzentren.

Der Bereich Heizung, Lüftung und Klimatisierung (HVAC) ist ein bedeutender Wachstumsmarkt und eröffnet vielfältige Innovations- und Anlagemöglichkeiten. Es ist daher kein Zufall, dass der jüngste Börsengang von Madison Air mit einem Volumen von 2,2 Mrd. US-Dollar zu den grössten Industrie-IPOs in der Geschichte der USA zählte.

Heizung und Kühlung machen bis zu 60% des gesamten Energieverbrauchs eines Gebäudes aus. Effizienzsteigerungen in diesem Bereich sind daher entscheidend, um sowohl die Ziele zur Reduktion der CO₂-Emissionen als auch die Ziele der Anpassung an den Klimawandel zu erreichen. Städte, die Resilienz konsequent in ihre Dekarbonisierungsstrategien integrieren, dürften besser positioniert sein, um ihre Klimaziele zu erreichen, langfristiges Kapital anzuziehen und das Wohlergehen ihrer Bevölkerung angesichts zunehmender Klimaschwankungen zu schützen.

Gleichzeitig treibt der KI-getriebene Ausbau von Rechenzentren die Leistungsdichte der Serverracks und den Strombedarf auf ein Niveau, das mit herkömmlicher Luftkühlung kaum noch zu bewältigen ist. Dadurch beschleunigt sich der Übergang zur Flüssigkeitskühlung. Allein der HVAC-Markt für Rechenzentren dürfte sich bis 2032 auf 32 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppeln.3

Die klimabedingte Nachfrage führt in Verbindung mit dem KI-getriebenen Ausbau von Rechenzentren dazu, dass sich HVAC-Lösungen von einem zyklischen Marktsegment zu einem strukturellen, auf mehrere Jahre ausgelegten Anlagethema entwickeln.

Der Sommer 2026 hat deutlich gemacht, dass Anpassung nicht länger nur der Absicherung gegen ein künftiges Risiko dient – sie ist vielmehr eine Antwort auf eine bereits bestehende Herausforderung. Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage nach Unternehmen, die zur Stärkung der Resilienz der Weltwirtschaft beitragen – sowohl in den Stromnetzen als auch in der gebauten Umwelt –, in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte.

[1] https://www.iea.org/data-and-statistics/charts/share-of-households-equipped-with-air-conditioner-by-region-2015-2025
[2] https://wmo.int/resources/publication-series/climate-change-and-workplace-heat-stress/climate-change-and-workplace-heat-stress
[3] https://www.marketsandmarkets.com/PressReleases/data-center-thermal-management.asp

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