3 Fragen an Sophie Braibant zur Zukunft des Wealth Managements
Die Eckpfeiler der Vermögensverwaltung im Jahr 2030
In diesem am 17. Februar 2026 von Paperjam veröffentlichten Interview, das ursprünglich auf Französisch erschien und von Pictet ins Deutsche übersetzt wurde, spricht Sophie Braibant über die drei prägenden Themen der Branche – Personalisierung, Sicherheit und die Weitergabe von Vermögen an die nächste Generation. Sie zeigt auf, wie sich Aufgabenbereiche und das Kundenerlebnis verändern und welche zentrale Rolle Innovation und künstliche Intelligenz dabei spielen.
Wie sieht die Vermögensverwaltung Ihrer Meinung nach im Jahr 2030 aus?
Sie wird noch stärker personalisiert sein. Unsere Kundinnen und Kunden achten zunehmend darauf, dass ihre Anlagen mit ihren Werten und persönlichen Zielen übereinstimmen. Besonders im UHNWI-Segment werden hochspezialisierte Angebote immer wichtiger.
Gleichzeitig wird in der Vermögensverwaltung auch in Zukunft der Mensch im Mittelpunkt stehen. Private Banking lebt von Begegnungen, vom Austausch und vom Vertrauen, das täglich gepflegt und gefestigt wird.
Schließlich dürfte die Sicherheit eine zentrale Herausforderung bleiben und weiter an Bedeutung gewinnen. Betrugsversuche und Cyberangriffe nehmen exponentiell zu und werden immer professioneller. Deshalb sind unsere Kundinnen und Kunden auf Institute angewiesen, die den Schutz ihrer Vermögenswerte und Daten gewährleisten können.
Was wird in den kommenden Jahren der wichtigste Treiber der Veränderungen im Wealth Management sein?
Der Wandel findet auf mehreren Ebenen statt. Zunächst werden innerhalb der nächsten vier Jahre enorme Vermögenssummen – zwischen 15 000 und 18 000 Milliarden US-Dollar – von einer Generation an die nächste weitergegeben. Hinsichtlich der hohen Vermögenskonzentration sowie des Tempos, in dem diese Vermögen weitergegeben werden, ist dies eine beispiellose Entwicklung.
Künstliche Intelligenz wird zur Zäsur: Sie ermöglicht es uns, die Aufgabenbereiche im Wealth Management neu zu definieren. Einige werden verschwinden, andere neu entstehen, viele sich tiefgreifend verändern.
Parallel dazu steht auch in der Branche ein Generationenwechsel an. Wer als Kundenberater erfolgreich sein will, braucht viel Erfahrung, ein starkes Netzwerk und muss sich langfristig bewähren. Viele etablierte Kundenberater mit bedeutenden Portfolios in Luxemburg stehen kurz vor dem Ende ihrer Karriere. Eine der großen Herausforderungen für Privatbanken besteht deshalb darin, mit einer neuen Generation von Beratern innovativ zu sein und gleichzeitig das Vertrauen der Kunden zu wahren. Insofern bietet dieser Generationenwechsel auch die Chance, eine anspruchsvolle neue Kundengeneration für sich zu gewinnen.
Und schließlich wird künstliche Intelligenz zur Zäsur: Sie ermöglicht es uns, die Aufgabenbereiche im Wealth Management neu zu definieren. Einige werden verschwinden, andere neu entstehen, viele sich tiefgreifend verändern. Entscheidend wird sein, die Erfahrung aus der Vor-KI-Ära ins neue KI-Zeitalter mitzunehmen.
Inwiefern unterstützt der Wandel im operativen Bereich die Vermögensberater?
Was Operations innerhalb einer Bank leistet, wird häufig unterschätzt. Die Anforderungen sind hoch: Selbst kleinste Fehler sind sofort sichtbar, Verzögerungen unmittelbar spürbar und Anerkennung gibt es nur selten. Anders gesagt: Solange alles reibungslos funktioniert, bleibt der Bereich im Hintergrund – treten Probleme auf, steht er sofort im Rampenlicht. Dennoch ist Operations ein technisches, vielseitiges Feld mit großem Innovationspotenzial.
Viele Privatbanken arbeiten noch weitgehend mit manuellen Prozessen, da sich IT-Investitionen oft nur schwer amortisieren lassen. Die KI wird diese Tätigkeiten grundlegend verändern und deutlich effizientere Arbeitsweisen ermöglichen. Das führt zu einfacheren Interaktionen, weniger Fehlern und einem besseren Erlebnis für Kundinnen und Kunden wie auch für die Beraterinnen und Berater.