Versorgungslücke zwischen Frauen und Männern
Frauen leben im Durchschnitt zwar länger als Männer, dafür aber auch länger in einem schlechten Gesundheitszustand. In der Europäischen Union beispielsweise ist die Lebenserwartung von Frauen fünf Jahre höher als die von Männern, aber der Unterschied schrumpft auf ein Jahr, wird nur die Zeit in guter Gesundheit berücksichtigt.1
Gründe für diese Ungleichheit sind unter anderem mangelnde Forschung, Tests und Investitionen, die speziell auf die Gesundheit von Frauen ausgerichtet sind. Laut einer Studie des McKinsey Health Institute und des Weltwirtschaftsforums würde die Schliessung der Versorgungslücke zwischen Frauen und Männern wirtschaftliche Chancen in Höhe von mindestens 1 Bio. US-Dollar eröffnen.
Oder anders ausgedrückt: Jedem US-Dollar, der in die Gesundheit von Frauen investiert wird, steht ein Wirtschaftswachstum von 3 US-Dollar gegenüber.2
Es gibt bereits eine positive Dynamik, vor allem im philanthropischen Bereich: Die Bill Gates Foundation hat für die nächsten fünf Jahre 2,5 Mrd. US-Dollar bereitgestellt, um die Forschung und Entwicklung im Bereich der Frauengesundheit zu beschleunigen.3
Diese Gelder werden benötigt, um bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten wie Endometriose zu erforschen, von der jede zehnte Frau betroffen ist. Es handelt sich dabei um eine sehr schmerzhafte Erkrankung, bei der das Gewebe, das normalerweise die Gebärmutter auskleidet, auch ausserhalb der Gebärmutter wächst und sich bei jedem Menstruationszyklus zersetzt und blutet. Dies führt zu starken Regelblutungen, der Bildung von Narbengewebe, extremer Müdigkeit und potenziellen Fruchtbarkeitsproblemen.
Im Jahr 2022 stellten die National Institutes of Health (NIH) gerade mal 16 Mio. US-Dollar für die Endometriose-Forschung bereit, dagegen über 1,2 Mrd. US-Dollar für Diabetes.4
Ein Teil des Problems besteht darin, dass Endometriose schwer zu diagnostizieren ist und einen invasiven Ansatz erfordert – die einzige Möglichkeit, eine gesicherte Diagnose zu stellen, ist eine Laparoskopie. Hinzu kommt, dass es keine endgültige Heilung gibt, was den Anreiz für eine Diagnose verringert.
Investitionen können einer wachsenden Zahl von Startups helfen, innovative nicht-chirurgische diagnostische Tests sowie neue Therapien zu entwickeln.
Doch frauenspezifische Probleme wie Endometriose sind nur die Spitze des Eisbergs.
Diagnose und Behandlung
Die Kennzahl der krankheitsbereinigten Lebensjahre zeigt, dass nur 5% der gesundheitlichen Belastung von Frauen auf geschlechtsspezifische Erkrankungen wie Endometriose, Menopause, polyzystisches Ovarsyndrom oder Eierstockkrebs zurückzuführen sind. Etwa 51% der Belastung stehen im Zusammenhang mit Erkrankungen, von denen Frauen in besonderem Masse, überproportional oder anders als Männer betroffen sind.
Viele medizinische Tests und Messungen werden an Männern durchgeführt, was zu Lücken im Verständnis führen kann. Dies wiederum verlangsamt die Diagnose und beeinträchtigt die Wirksamkeit der Behandlung. Bei Männern beispielsweise wird Typ-2-Diabetes in der Regel in einem jüngeren Alter und bei einer geringeren Körperfettmasse diagnostiziert als bei Frauen.5
De facto werden Hunderte von Krankheiten bei Frauen im Durchschnitt vier Jahre später diagnostiziert als bei Männern, wie eine Studie ergab, an der 6,9 Millionen Däninnen und Dänen teilnahmen.6 Dies wiederum verzögert die Behandlung, verlängert das Leiden und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schlechten Behandlungsergebnisses.
Der nächste Punkt ist die Behandlung. Es gibt viele Beispiele für Behandlungen, die bei Frauen nicht funktionieren, weil sie nicht für sie optimiert wurden. PD-1-zentrierte Krebstherapien haben sich bei Frauen als weniger wirksam als bei Männern erwiesen.7 Gleiches bei Asthma: Die Erkrankung kommt zwar bei Frauen häufiger vor, aber der zumeist verordnete ICS/LABA-Inhalator ist bei Männern vergleichsweise wirksamer. Von einer geschlechtsspezifischen Asthmabehandlung könnten 16 Millionen Frauen profitieren.8 Es gibt aber auch umgekehrte Beispiele. Novartis hat festgestellt, dass sein 2015 eingeführtes Herzinsuffizienz-Medikament ENTRESTO besonders wirksam bei Frauen ist, die doppelt so häufig wie Männer an Herzinsuffizienz bei Erhalt der Ejektionsfraktion (HFpEF) erkranken.
Eine besser auf Frauen zugeschnittene Behandlung und Diagnose – auch durch eine stärkere Beteiligung von Frauen an klinischen Studien – könnte die Zahl der frühen Todesfälle verringern, die Lebensqualität verbessern, die Anzahl der mit gesundheitlicher Belastung gelebten Jahre verringern und die Phase der Erwerbsbeteiligung von Frauen verlängern. McKinsey und dem Weltwirtschaftsforum zufolge würde die Schliessung der Versorgungslücke Frauen jedes Jahr sieben gesunde Tage mehr bringen. Gezielte Investitionen könnten dazu beitragen, die Wirtschaft anzukurbeln und das Wohlbefinden zu verbessern.
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