 Christophe DonayVerantwortlicher für Asset Allocation & Macro Research Pictet Wealth Management Genf
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Die Neuaufgleisung der Konjunkturlokomotive Amerika ist noch nicht abgeschlossen, und das Weltwachstum leidet darunter. Jenseits des Atlantiks hat sich zwar die Konjunktur seit Mitte 2009 dank beispielloser wirtschaftspolitischer Massnahmen kräftig erholt. Aber die echten Motoren, die ein Wachstum aus eigener Kraft gewährleisten können, müssen noch anlaufen, um den Anlegern eine bestmögliche Visibilität zu bieten.
Die Weltwirtschaft kam vor knapp zwei Jahren aus der Rezession, was haushalts- und geldpolitischen Massnahmen in den grossen Volkswirtschaften zu verdanken war. Insbesondere die US-Wirtschaft fand von einer BIP-Kontraktion von -5% gegenüber Vorjahr im 1. Quartal 2009 zu einem Wachstum von +5% im Schlussquartal 2009 zurück.
Trotz dieser Beschleunigung brachte die weiter in den wichtigen Sektoren zu beobachtende Flaute die politischen und geldpolitischen Instanzen dazu, Ende 2010 zwei neue Ankurbelungsprogramme aufzulegen. Die Federal Reserve hat so einen neuen Plan zum Kauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt umgesetzt ("QE2" für Quantitative Easing oder quantitative Lockerung). Der Kongress hat im Übrigen für den neuen Haushalt gestimmt, der die Verlängerung der von der Bush-Administration eingeführten Steuervergünstigungen vorsah. Dies ermöglichte es den Wirtschaftsexperten, ihre durchschnittlichen Prognosen für das US-Wachstum 2011 von vorher 2,8% auf 3,5% anzuheben. Der IWF revidierte parallel dazu seine Schätzungen für das Weltwachstum von 4,2% auf 4,4%.
Das für 2011 in den USA erwartete Wachstum liegt somit über dem langfristigen Potenzial, das sich bei etwa 3% bewegt. Aber um festzustellen, ob sich das Wachstum ohne besondere Massnahmen über 2011 hinaus einstellt, hat die Weltwirtschaft Mitte des Jahres einen wichtigen Termin. Im Juni nämlich soll die Federal Reserve ihr mit insgesamt knapp 100 Milliarden Dollar pro Monat ausgestattetes Anleihenrückkaufprogramm beenden. |
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Ohne wirtschaftspolitische Unterstützung wäre es derzeit rasch mit dem US-Wachstum vorbei. In den kommenden Monaten müssen die USA daher unbedingt von einer künstlichen zu einer selbst tragenden Expansion übergehen. Hierzu fehlt es noch an zwei wichtigen Elementen: Beschäftigung und Kredit.
Betrachten wir zunächst den Kreditzyklus. Die Verschuldung der Privathaushalte stabilisiert sich auf dem Niveau des langfristigen historischen Trends und deutet das voraussichtliche Ende des Entschuldungsprozesses der Privathaushalte an. Erfreulicher ist, dass die Konsumkredite seit Ende 2010 wieder anziehen. Nur Hypothekenkredite sind wegen des flauen Immobiliensektors weiter rückläufig. Was die Beschäftigung betrifft, so hat die Erholung im März 2009 mit der Schaffung von durchschnittlich 30'000 neuen Stellen pro Monat begonnen. Diese Zahl ist gering, wenn man bedenkt, dass eine normale Erholung zwischen 200'000 und 250'000 neuen Stellen monatlich bedeutet. Wenn man ausserdem noch berücksichtigt, dass ab der Jahresmitte 2008 in achtzehn Monaten 8,8 Millionen Stellen vernichtet wurden, lässt sich diese Erholung vorerst nur als zögerlich bezeichnen. Die Anleger müssen diesen Aspekt weiter genauestens überwachen, da die Einnahmen der Privathaushalte, die im Wesentlichen von Beschäftigung abhängen, den Privatkonsum direkt beeinflussen, der wiederum 70% des BIP ausmacht.
Aber ganz allgemein bleiben die erfreulichen Hinweise auf eine nachhaltige Wachstumserholung in der Überzahl. Unter den wichtigsten seien der Anstieg des Indikators für Verbrauchervertrauen und der Einkaufsmanagerindizes erwähnt, oder auch die gut laufenden Einzelhandelsumsätze. Diese Trends dürften zu den Elementen zählen, die die Schaffung neuer Stellen, die Erholung des Kreditgeschäfts und den Immobiliensektor unterstützen. Der Übergang zu einer durch nachhaltige Wachstumsmotoren unterstützten US-Wirtschaft birgt jedoch in den kommenden Monaten eines der Hauptrisiken für die Anleger.
Das geopolitische Risiko ist plötzlich und vollkommen unerwartet aufgetreten. Falls das Streben nach Demokratie von den Völkern Nordafrikas auf grosse ölproduzierende Länder in Nahost wie Saudi-Arabien übergreift, könnten die Rohölpreise auf Dauer nach oben gehen. Dieses Phänomen könnte das Szenario einer günstigen Erholung des US-Wachstums nachhaltig kompromittieren. Daneben würde sich der Kaufkraftverlust in den Industrieländern negativ auf das Wachstum auswirken, während die Inflation in den Schwellenländern weiterhin ein ernstes Problem wäre.
Allerdings ist der Anleger ohnehin von zahlreichen Risiken umgeben, die er in den kommenden Monaten taktisch bewältigen muss, je nachdem ob sie verschwinden oder eintreten. |
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