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Dieser Artikel wurde in der Tageszeitung Le Temps vom 10. Januar 2011 auf Französisch veröffentlicht.

Sicherheit: ein wachstumsträchtiger, wenig beachteter Sektor

05. April 2011

Der Jahresumsatz am Weltmarkt für Sicherheit bewegt sich zwischen 500 und 650 Milliarden Franken.Nationale Sicherheit, Bankgeheimnis oder Informatiksicherheit, ganz egal. Um wirksam gegen Datenklau, PC-Piraten oder Hacker vorzugehen, werden wohl mehr Investitionen in Sicherheit nötig sein. Die jüngst von WikiLeaks und in den Medien veröffentlichten 251'287 diplomatischen Dokumente sind nur ein Beispiel.

 
 

Yves KramerSenior Investment Manager 
Pictet Asset Management

Genf



und Frédéric DuprazInvestment Manager 
Pictet Asset Management

Genf


 

Wie lassen sich also solche Ereignisse erklären, insbesondere, wenn man weiss, dass Staaten, Unternehmen und Einzelpersonen dem Sicherheitsbereich in den letzten zehn Jahren immer mehr Ressourcen zugewiesen haben? Die Antwort ist einfach: Hacker und andere Kriminelle werden immer geschickter. Überdies wächst auch ihr Universum möglicher Schadwirkungen mit den neuen Technologien immer weiter, etwa durch das Cloud Computing, das einem Einzelnen ermöglicht, auf Anfrage und aus der Ferne Speicherkapazitäten zu nutzen und seine Informatikleistung vorübergehend zu erhöhen, ohne selbst materiell über die entsprechende Infrastruktur verfügen zu müssen.

Zum besseren Verständnis des Sicherheitsbereichs wollen wir einige Zahlenbeispiele geben. Der Jahresumsatz am Weltmarkt für Sicherheit bewegt sich zwischen 500 und 650 Milliarden Franken. Das jährliche Gewinnwachstum jener Unternehmen, die seine wichtigsten Akteure sind, wird auf 10% bis 12% geschätzt, im Vergleich zu durchschnittlich 7% bis 8% bei anderen Firmen weltweit.

Aber was kann man von Firmen der Sicherheitsbranche in den kommenden Jahren erwarten? Alles scheint darauf hinzudeuten, dass mehrere nachhaltige Phänomene in einem sehr hohen Tempo weiter wirken werden. Eine Weltbevölkerung von 9,1 Milliarden im Jahr 2050 laut Vereinten Nationen, gegenüber knapp 7 Milliarden heute, ist eins davon, aber die wachsende Zahl von Personen der Mittelschicht – vor allem in den Schwellenländern – zeichnet sich als noch mächtigerer Wachstumsvektor ab. Er wird die Ausweitung der Nachfrage in so verschiedenen Sektoren wie Mobiltelefonie, Internet oder auch motorisierte Transporte mit der Nebenwirkung steigender Sicherheitsausgaben in den verschiedensten Bereichen zur Folge haben. Anlagechancen ergeben sich hier vor allem bei Titeln von Firmen, die bereits 30% ihres Umsatzes in den Märkten der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) und in Ländern der Peripherie erwirtschaften. Brasilien ist hier ein interessantes Beispiel. Das Land wird gerade zum viertgrössten Markt für Autos und hat vor kurzem die Gesetze für Strassenverkehrssicherheit verschärft, die nun vorschreiben, dass alle Neuwagen bis 2014 vorne mit Airbags ausgerüstet sind.


Für den Anleger ergeben all diese Trends insgesamt ein viel versprechendes Umfeld. Der Sektor scheint heute also alles zu haben, um Anleger zu überzeugen.

 

Die Entwicklung von Sicherheitsinfrastrukturen in Verbindung mit der Urbanisierung ist ein weiterer wichtiger Wachstumsmotor des Sicherheitssektors, denn bis 2030 werden 60% der Weltbevölkerung in Städten wohnen, während es 2006 noch 48% waren. Daher werden auch die Ausgaben zur Absicherung des höheren Strassenverkehrsaufkommens und von öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen oder U-Bahnlinien steigen. Die Globalisierung ist ein weiterer Wachstumsmotor für den Sektor. Ob es um Sicherheit an den Flughäfen, in Bahn- und Seefracht, in Atomkraftwerken oder auch an Staudämmen geht, die Fortsetzung des Booms bei Videoüberwachung, Biometrie, Durchleuchtungssystemen oder Spürtechnologien scheint so sicher wie das Amen in der Kirche. Gerade der Markt für Flughafensicherheit ist einer der wichtigsten, mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum seit 2006 von etwa 12%, und so wird es auch 2011 sein.

Die Weltwirtschaft hängt daher immer stärker von Technologie ab, aber auch von zuverlässigen IT-Systemen. Für die Unternehmen ist die Zuverlässigkeit ihrer Systeme künftig ein Wettbewerbsvorteil. Multinationale Unternehmen suchen daher die besten Informatiker, mitunter auch bekehrte Hacker wie Apple, die 2007 Lucas Newman eingestellt haben, einen amerikanischen Entwickler, der einen überaus vollständigen nichtoffiziellen Entwicklungs-Kit für das iPhone geschaffen hat.

Dieser Trend lässt sich dadurch erklären, dass solche multinationale Firmen jedes Jahr Opfer von etwa einem Dutzend sehr ernst zu nehmenden Cyber-Attacken werden. 2008 hatte die Datenpiraterie laut der Datensicherheitsfirma McAfee die Unternehmen weltweit etwa 1000 Milliarden Dollar gekostet. Aber die wachsende Mobilität der Angestellten und die Sicherung der von ihnen auf Reisen verwendeten Daten sind einer von weiteren Faktoren, die erklären, warum die Unternehmen im kommenden Jahr 12% ihres IT-Budgets für die Sicherheit aufwenden, während es kurz nach der Jahrtausendwende nur etwa 2% waren.

Für den Anleger ergeben all diese Trends insgesamt ein viel versprechendes Umfeld. Neben einem überdurchschnittlichen Wachstum und vernünftigen Bewertungen entsteht Shareholder Value auch durch die Fortführung der Fusionen und Übernahmen wie der Kauf von McAfee durch Intel im Jahr 2010. Der Sektor scheint heute also alles zu haben, um Anleger zu überzeugen.