Post Euro: schon morgen?
| 26. November 2010 |
Die EU sollte vor allem versuchen, Exzesse zu verhindern, insbesondere private Überschuldung Liegt der zwischen Sparexzessen im Norden und Lohninflexibilität im Süden hin- und hergerissene Euro schon in den letzten Zügen? Viele sind der Meinung, dass das System an der Erschöpfung der Schuldner und der Ermüdung der Gläubiger früher oder später zerbrechen wird. |
![]() Jean-Pierre BéguelinChef-Ökonom |
| |
|
In diesem Fall werden die zahlreichen dem Euro gewidmeten Nachrufe dann aber bestimmt nicht genügend hervorheben, wie schwierig es war, so verschiedene Volkswirtschaften zusammenzuschliessen, z.B. in Bezug auf das Niveau des physischen Kapitals – Strassen, Elektrizitätsnetze, Fabriken, Maschinen –, d.h. des Realkapitals, mit welchem die Arbeitskräfte eines Landes arbeiten. Je niedriger dieses physische Kapital ist, desto weniger produktiv sind die Arbeiter und desto kleiner ist der zu verteilende Kuchen, d.h. das BIP pro Einwohner.
Sofort nach der Einführung des Euro profitierten die Länder im Hintertreffen jedoch plötzlich von praktisch gleich hohen Zinsen wie in Deutschland. Ihre Finanzierungskosten fielen unter die Rentabilität ihres physischen Kapitals, was in diesen Ländern einen Investitionsboom auslöste und somit einen Anstieg der Binnennachfrage bewirkte. Als Folge davon beschleunigten sich ihre Importe und erhöhten sich ihre Leistungsbilanzdefizite. Dies umso mehr, als aufgrund der erwarteten guten Kapitalrendite aus ganz Europa Gelder zuflossen. Ihre externen Nettoverbindlichkeiten, d.h. abzüglich Guthaben, stiegen in der Zeit von 1998 bis 2007 von 13% auf 50% des BIP, hauptsächlich in Form von Anleihen und Bankkrediten, mit der bemerkenswerten Ausnahme von Irland, wo die importierten Gelder vor allem Beteiligungen waren. | ||
| |
|
Unter diesen Voraussetzungen sollte die EU vor allem versuchen, Exzesse zu verhindern, insbesondere eine für ihr Finanzsystem sehr gefährliche private Überschuldung bei ihren Mitgliedstaaten mit mangelndem Realkapital. |
|
Dies führte dazu, dass die Euro-Zone bereits im Jahr 2007 in sehr schwacher Verfassung war. Die weniger entwickelten Länder und Irland – also die guten Schüler mit den besten jüngsten Wachstumsraten – vereinten alle Gefahren auf sich: interne Überinvestitionen, externe Überschuldung und geringere Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrie. Die anderen Mitgliedstaaten litten unter einer eher schwachen Binnennachfrage und beträchtlichen Haushaltskürzungen, während ihre Sparer direkt oder indirekt über ihre Banken der Verschuldung der auf den ersten Blick guten Schüler ausgesetzt waren. Diese Schwächen standen nicht mit den angenommenen eigenen Stärken der besagten Völker im Zusammenhang, sondern mit der Währungsintegration zwischen Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand, ohne dass diesem Faktor Rechung getragen wurde. |
| |




