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Dieser Artikel wurde in der AGEFI-Sonderausgabe über Indizes und Anlagefonds (AGEFI "Indices - Fonds de placement") vom 21. Juni 2010 veröffentlicht.

So gewinnen Sie dank Verlierern und Siegern

27. August 2010

Long/Short angewandt auf ThemeninvestmentsDas traditionelle Themeninvestmentverfahren besteht in der Identifikation der künftigen Gewinner. Aber wäre es nicht auch von Vorteil die Verlierer zu identifizieren?

 
 

Philippe SarreauCo-Manager Pictet Targeted Funds (LUX)-Corto Europe
Pictet Asset Management
Genf


 

Die Teilnahme an starken sozioökonomischen Langfristtrends ist das, was ein traditionelles Themeninvestment den Anlegern normalerweise bietet. Aber könnte man einen Gewinn erwirtschaften, wenn man zugleich in Hausse- und in Baisse-Kandidaten investiert?

Wie unsere Erfahrung gezeigt hat, ermöglicht ein solcher thematischer Investmentansatz bei europäischen Aktien, der in alternativer Verwaltung gewöhnlich als Long/Short bezeichnet wird, auch das Erzielen guter Performance-Werte bei einem im Zeitverlauf insgesamt geradlinigeren (weniger volatilen) Resultat. Mit anderen Worten ist es mit einem Investmentansatz dieser Art möglich, eine bessere Performance zu erreichen und dabei weniger Risiken einzugehen.

Dieser Ansatz geht somit besonders gut auf die Erwartungen der Anleger in Bezug auf den Erhalt von Vermögen ein, vor allem in einem durch eine erhöhte Marktvolatilität geprägten Umfeld. Neben der Möglichkeit, Leerverkäufe zu tätigen, wenn die Vergütung des Risikos zu gering erscheint, erlaubt es die OGAW-III-Gesetzgebung heute auch, die Performance zu erhalten, indem Positionen aufgelöst und der resultierende Erlös oder die entsprechenden Instrumente zu 100% eingesetzt werden, wenn der Manager dies will. Ein solcher Handlungsspielraum erhöht die Zahl der Alternativen, um Kapital zu erhalten, wenn es die Marktverhältnisse erfordern.


Mit einem Investmentansatz dieser Art ist es möglich, eine bessere Performance zu erreichen und dabei weniger Risiken einzugehen.

 

Ausschlaggebend für den Erfolg im Bereich der Long/Short-Themeninvestments ist ein bewährter Investmentprozess. Und der Eckpfeiler eines Ansatzes, der sich im Bereich europäischer Themenanlagen weiterhin bewährt, besteht in der Identifikation der Thementrends, die am interessantesten sind. Nehmen wir zum Beispiel Themen, die sich als "Makroänderungen" bezeichnen lassen. Hierunter fallen die Verlagerung der Wirtschaftszentren aus dem Westen in den Osten und Süden, die alternde Bevölkerung, die wachsenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen Regionen und Ländern, die Beschränkung der natürlichen Ressourcen oder auch die immer wichtigere Rolle der Politik in der Wirtschaft. Unter Letztere fallen zum Beispiel für erneuerbare Energiequellen vorgesehene Subventionen oder auch staatliches Eingreifen an den Finanzmärkten.

 

Auf Ebene der "Mikroänderungen" bieten technologische Neuerungen zahlreiche Investmentchancen in Europa, zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung, der Mobilität, der Netze, der Miniaturisierung, des Zugangs zu Energie oder zu Connectivity. Im Übrigen bietet der Trend zu immer mehr Produkten und Dienstleistungen zugleich in sehr hochkarätigen Segmenten und in Low-Cost-Bereichen zahlreiche Anlagemöglichkeiten. Aber es gibt auch noch viele weitere zu nutzende Trends wie Outsourcing oder die Globalisierung der Produktionsketten.

Während diese Trends Kursgewinne der einen und -verluste der anderen Unternehmen bewirken, müssen sie mit einer Top-down- und Bottom-up-Analyse noch vor greifbaren Auswirkungen auf ihren Niederschlag in der Performance identifiziert werden. Eine Top-down-Analyse erlaubt es, das Budget der verschiedenen Aktienrisiken in Bezug auf den Konjunkturzyklus einzuschätzen. In diesem Stadium wird die Analyse gegebenenfalls zeigen, ob Wachstums- oder Substanzwerte, defensive oder zyklische Sektoren, grosse oder kleine Kapitalisierungen oder auch hohe oder geringe Qualität vorzuziehen sind.

Die Bottom-up-Titelanalyse ermöglicht es, Kandidaten für Long und Short-Positionen auszuwählen. Eine besonders effiziente Methode für die Auswahl von Titeln in diesen beiden Segmenten in jedem der Investmentthemenbereiche besteht in der Aufteilung nach fünf Kategorien. Die ersten drei betreffen Kandidaten mit Long-Positionen und die letzten beiden mit Short-Positionen.


Performance eines Long/Short-Produkts am europäischen Aktienmarkt im Vergleich zum Index MSCI Europe und HFRX Equity Hedge


 

Diese fünf Kategorien beruhen auf dem Umstand, dass der Wert eines Unternehmens vom eingesetzten Kapital abhängt, sowie von den durchschnittlichen Kosten des Kapitals. So lässt sich eine Prognose über die Entwicklung des Börsenwertes von Gesellschaften vornehmen, indem Hypothesen über die Entwicklung dieser Parameter aufgestellt werden. Regelmässige Treffen mit Geschäftsleitungen der betroffenen Gesellschaften erlauben es darüber hinaus, die Einschätzungen über ihre voraussichtliche Börsenentwicklung zu erhärten.

Die ersten drei Kategorien von Titeln von Gesellschaften, die für den Long-Anteil eines europäischen Long/Short-Portfolios in Frage kommen, werden wie folgt definiert 1. Titel von aufstrebenden Wachstumsunternehmen; 2. Unternehmen mit etabliertem Wachstum und 3. Unternehmen, die eine sehr stabile Vergütung der Anlagen bieten, welche die Anleger entweder in Form von Dividenden oder in Form von Aktienrückkäufen erhalten können. Zu den ersten drei Kategorien des Long-Segments kommt ein Teil hinzu, der taktische Positionen wie Gesellschaften betrifft, die zurzeit unterbewertet erscheinen. Schliesslich sind noch 4. die allmähliche Schwächung des Geschäftsmodells und 5. der ungünstige Einsatz der Mittel durch die Unternehmensführung zwei Kategorien von Gesellschaften, die für den Short-Teil eines Portfolios mit Thema Long/Short Europa in Frage kommen.

Das Themen-Portfolio, das sich aus einem solchen Ansatz ergibt, erweist sich bei Finanzmarkterschütterungen als relativ widerstandsfähig, wie nebenstehender Grafik zu entnehmen ist, die das Ergebnis einer Verwaltung dieser Art im Bereich europäischer Gesellschaften verdeutlicht. Die alternative Long/Short-Verwaltung, angewandt auf europäische Themeninvestments, dürfte sich somit weiter bewähren, selbst wenn die Weltbörsen beben…