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Dieser Artikel wurde in der Investment Week vom 16. Mai 2011 veröffentlicht.


Das Internationale Jahr des Waldes aus Investorensicht

19. Mai 2011

Das Jahr 2011 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr des Waldes (IJW) erklärt.Da es offenbar mehr unterstützenswerte Themen gibt als Jahre, ist 2011 gleichzeitig auch das Internationale Jahr der Chemie. Dies ist alles andere als ein Widerspruch! Denn nur aufgrund der Photosynthese, der vielleicht wichtigsten biochemischen Reaktion in der Natur, sind die Bäume in der Lage, aus Sonnenlicht, Wasser und Luft stabile Zellwände aufzubauen, die es den grössten unter ihnen erlauben, bis zu hundert Meter in den Himmel zu wachsen und uns damit einen der wertvollsten, erneuerbaren Rohstoffe zu bescheren: Holz.

 
 

Christoph ButzNachhaltigkeitsexperte 
Pictet Asset Management

Genf


 

Anlässlich des IJW wird richtigerweise oft daran erinnert, dass der Wald nicht nur die Wiege der Menschheit, sondern für uns mehr denn je und in vielerlei Hinsicht von unschätzbarer Bedeutung ist. Den Wald zu schützen und seine vielfältigen Ökosystem-Dienstleistungen zu erhalten, ist gerade auch angesichts des Klimawandels unabdingbar. Rund zwanzig Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entstehen durch die Abholzung von Tropenwald. Schuld trägt, entgegen der landläufigen Meinung, nicht in erster Linie die Holznutzung, sondern die ungebremste Umwandlung von Wald in Viehweiden und Agrarflächen für den Soja-Anbau oder die Produktion von Palmöl.

Dieser verheerende Trend ist nur zu stoppen, wenn die Erhaltung des Waldes einen grösseren Nutzen verspricht als seine Umwandlung. Darum ist die nachhaltige Nutzung der Ressource Wald auch der beste Schutz gegen seine Abholzung. Die Nutzung von Holz ist aus Nachhaltigkeitssicht wünschbar und sinnvoll, da mit Holz nichterneuerbare Ressourcen wie z.B. Erdölprodukte substituiert werden können, oder auch Baustoffe wie Stahl und Beton, deren grauer Energiegehalt ein Vielfaches über dem des CO2-neutralen Holzes liegt. Selbst intensiv gemanagte Forstplantagen haben ihre Berechtigung – obwohl sie punkto Biodiversität und Ästhetik einem natürlich gewachsenen Wald selbstverständlich nicht ebenbürtig sind – denn sie helfen mit, mehr Holzfasern auf kleinerer Fläche zu produzieren, und damit den Druck auf die letzten noch verbliebenen Urwälder zu mindern.


Interessanterweise laufen dabei die Renditen von Waldinvestments den Inflationsraten zeitlich etwas voraus, was darauf hindeutet, dass sich die Anleger aufgrund ihrer gestiegenen Inflationserwartungen stets frühzeitig in Position bringen.

 

Die weltweite Holznachfrage nimmt linear im Gleichschritt mit der wachsenden Weltbevölkerung zu. In den Schwellenländern steigt die Nachfrage sogar stark überproportional. Das schnell wachsende China hat mit 22% der Weltbevölkerung, aber nur 4% der Waldreserven, ein strukturelles Holzdefizit in der Grössenordnung von einhundert Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr, das sich in den nächsten zehn Jahren trotz massivsten Aufforstungsbemühungen sogar noch verdoppeln dürfte. Die Holzfirmen im Nordwesten der USA liefern schon heute einen rasch steigenden Anteil ihrer Holzproduktion ins Reich der Mitte. Sollte sich der Imobilienmarkt in den USA nur leicht erholen und die Nachfrage nach Konstruktionsholz ansteigen, werden die Holzfirmen und ihre Aktionäre sehr gute Zeiten erleben. Die Nachfrage wächst dabei übrigens nicht nur nach dem Baustoff Holz, sondern auch nach einem seiner wichtigsten Bestandteile, dem Zellstoff, dessen Marktpreis sich momentan schon nahe am Allzeithoch bewegt, Tendenz steigend. Zellstoff wird dabei längst nicht mehr nur zu Papier, Karton und Verpackungen verarbeitet. Seit der Preis für Baumwolle in wenigen Monaten um über 150% angestiegen ist, verwenden Textilfirmen vermehrt Viskose, eine Kunstfaser, die aus besonders hochwertigem Zellstoff hergestellt wird. Dessen Marktpreis ist mittlerweile so attraktiv geworden, dass zahlreiche Firmen ihre Produktionslinien umrüsten, um von diesem Boom zu profitieren. Aus Holz lässt sich eben praktisch alles herstellen.

Man braucht übrigens nicht selbst Waldbesitzer zu sein, um von dieser nachhaltigen Wachstumsdynamik zu profitieren. Die Investition in ein Portfolio mit ausgewählten Aktien besonders waldreicher, börsenkotierter Holzfirmen ermöglicht es auch Privatanlegern, an der positiven Entwicklung dieser nachwachsenden Ressource zu partizipieren. Die ‚indirekte' Investition über börsenkotierte Forstfirmen bietet gegenüber Direktinvestitionen in Waldflächen zahlreiche Vorteile. Viele Firmen halten nicht nur Wald, sondern ganze Waldportfolios, die geografisch, nach Baumarten und nach Absatzmärkten gut diversifiziert sind. Börsenkotierte Forstunternehmen haben auch den Vorteil täglicher Handelbarkeit und genügender Liquidität, wogegen Direktinvestitionen via Private-Equity-Markt oft unweigerlich mit langen Haltefristen verbunden sind. Die Waldungen vieler börsenkotierter Firmen sind zudem gemessen an ihrem inneren Wert stark unterbewertet. Gerade bei US-amerikanischen Firmen wird der Buchwert des Waldes oft noch auf der Basis des durchschnittlichen, historischen Anschaffungswerts ausgewiesen. Wurden die Wälder schon vor langer Zeit erworben, kann der tatsächliche Wert den Buchwert um ein Vielfaches übertreffen. Der ‚Real Asset'-Charakter von Wald bietet überdies einen wirksamen Schutz gegen anziehende Inflationsraten. Historisch gesehen sind die Renditen von Waldinvestments mit der Inflationsrate stark positiv korreliert, wobei die Renditen mit ganz wenigen Ausnahmen stets deutlich höher lagen als die Inflation selbst. Interessanterweise laufen dabei die Renditen von Waldinvestments den Inflationsraten zeitlich etwas voraus, was darauf hindeutet, dass sich die Anleger aufgrund ihrer gestiegenen Inflationserwartungen stets frühzeitig in Position bringen.

Wer also das Internationale Jahr des Waldes aus Anlegersicht gebührend begehen möchte, sollte sich vielleicht überlegen, in diese - bei nachhaltiger Bewirtschaftung – buchstäblich unerschöpfliche Ressource zu investieren.