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Dieser Artikel wurde in der Tageszeitung Le Temps vom 11. April 2011 auf Französisch veröffentlicht.


Renaissance der Hedgefonds

09. Mai 2011

Verteufelt oder vergöttert: Das sollten die Trader nach Ansicht der verschiedenen Bevölkerungskreise werden.Ihre Löhne erregen Schwindel, ihre Performance-Nachweise wecken Begehrlichkeiten.

 
 

Nicolas CampicheCEO

Pictet Alternative Investments
Genf


 

Bis vor kurzem konnten sich die besten von ihnen die Bank aussuchen, in der sie ihr Talent üben wollen. Aber mit Einführung des Dodd-Frank-Gesetzes in den USA im vergangenen Jahr, das Spekulationen für eigene Rechnung in den Banken begrenzt, haben es viele Trader vorgezogen, im Rahmen von Hedgefonds ihr eigenes Trading-Geschäft aufzumachen.

Ihre Kunden sind nun nicht mehr die Banken, sondern institutionelle und manchmal Privatkunden mit sehr grossen Vermögen. Dieses Phänomen tat dem Sektor gut, vor allem weil sich einige Legenden im Bereich alternative Anlagen wie William von Mueffling von Cantillon Capital Management oder auch Tim Barakett von Atticus Capital aus dem Geschäft zurückgezogen haben.

Der Sektor erlebt eine regelrechte Renaissance, mit einer jungen Generation von talentierten Hedgefondsmanagern, die den Anlegern bewährte und innvoative Verwaltungsansätze bieten.

Im Verlauf der Finanzkrise 2008-2009 verschwanden mehr als 2000 Hedgefonds. Aber seit dem 4. Quartal 2009 geht es dem Sektor wieder besser, und es werden wieder mehr Hedgefonds aufgelegt als zugemacht. Mit den frischen Talenten in alternativer Verwaltung eröffnet sich den Anlegern ein breiteres Feld an neuen Möglichkeiten.


Über einen Zeitraum von mehreren Jahren lässt sich zeigen, dass ein Dach-Hedgefonds, der seine Verwalter nach den besten Kriterien der Branche auswählt, regelmässig besser als der MSCI World abschneidet.

 

Aber in einer Branche mit mehr als 7000 Fonds fällt es nicht leicht, die besten herauszufiltern, vor allem wenn bestimmte Neuankömmlinge schon über einen hervorragenden Ruf als Trader verfügen, aber noch keinen Performance-Nachweis in der Hedgefondsverwaltung haben. In diesem Fall können die operativen Risiken ganz erheblich sein und besonderer Wachsamkeit bedürfen. Vorsicht schien im vergangenen Jahr nach einhelliger Meinung noch angebracht, flossen doch 80% der neuen Hedgefondsanlagen in Fonds, die mit ausstehenden Krediten von mehr als 5 Milliarden Dollar operierten. Aber angesichts der strukturellen Veränderungen in der Branche könnte sich dieser Trend bald wenden.

Die junge Generation dieser neuen Trader (so genannte Green Shots) dürfte nach und nach mehr Kapital anziehen, vor allem wenn man berücksichtigt, dass im vergangenen Jahr selbst die von den renommiertesten Verwaltern erzielte Performance bisweilen enttäuschte. Diese neue Generation der alternativen Verwaltung könnte neue Renditequellen eröffnen und die Risiken in Dach-Hedgefonds und Verwaltungsaufträgen könnten so zugleich diversifiziert werden.

Der Umstand, dass die Hedgefonds-Performance – gemessen ab dem Tiefststand der Aktienmärkte im März 2009 bis Ende 2010 – angesichts des Aktienmarktanstiegs enttäuschte, verstellt den Blick auf eine andere Tatsache, denn Hedgefonds sind in Wirklichkeit langfristige Instrumente. Sie schützen das Kapital in Baisse-Märkten, nutzen eine Hausse aber meist in geringerem Masse. Seit Beginn des Bärenmarktes im Oktober 2007 verzeichnet der Weltaktienindex MSCI World bis Ende 2010 noch ein Minus von 18,5%, während mehr als 50% der Hedgefondsverwalter bereits ihren gesamten Verlust wieder gutgemacht hatten. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren lässt sich zeigen, dass ein Dach-Hedgefonds, der seine Verwalter nach den besten Kriterien der Branche auswählt, regelmässig besser als der MSCI World abschneidet.

Aber die besten Verwalter können in einem allzu restriktiven Regulierungsumfeld ihr Talent nicht voll zum Tragen bringen. Dieser Aspekt der alternativen Verwaltung stellt eine der grössten Bedrohungen für ihre Performance dar. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Entwicklungen in Europa zu begrüssen. Die ersten Textvorschläge für Gesetzesentwürfe für die AIFMD (Alternative Investment Fund Managers Directive), die Hedgefonds regulieren sollen, verhiessen zunächst nichts Gutes für die Zukunft des Sektors. Allerdings wurden danach die restriktivsten Aspekte aufgegeben, während jene, die die Anleger stärker schützen sollen, beibehalten wurden.

Immerhin ging der Hedgefonds-Bereich gestärkt aus der Finanzkrise hervor. Die Entwicklung der Regulierung birgt heute keine Gefahr für die langfristige Performance und den Anlegern kommen bessere Anlagebedingungen zugute, denn zahlreiche Fonds haben ihre Verwaltungsgebühren gesenkt und ihre Zeichnungs- und Liquiditätsbedingungen verbessert.

Um jedoch Zugang zu den besten Hedgefonds und zu den vielversprechendsten Green Shots zu erlangen – und vor allem um zu gewährleisten, dass sie keine Enttäuschung erleben – wenden sich die meisten Anleger weiter an Expertenboutiquen, die auf die Auswahl von Verwaltern spezialisiert sind.