Ein weiteres Beispiel sind Rohstoff-ETFs, die, mit Ausnahme von Edelmetallen, meistens in Form von Terminkontrakten gehandelt werden. Die Performanceverluste aufgrund der regelmässigen Erneuerung dieser Verträge bei jeder Fälligkeit können jedoch sehr hoch ausfallen, insbesondere in einer Contango-Situation (Terminkontraktkurse steigen, je näher die Fälligkeit). So ist es fast unmöglich, die an den Kassakursen gemessene Entwicklung zahlreicher Rohstoffe zu replizieren.
Der zweite Hauptrisikofaktor betrifft die Gegenparteien. So stieg die Anzahl von Swap-Instrumenten (Vertrag über den Tausch von Zahlungsströmen mit einem Finanzinstitut) in den vergangenen Jahren explosionsartig, vor allem in Europa, wo die auf dieser Art von Nachbildung basierenden ETFs drei Viertel des Marktes ausmachen. Doch bei diesen Verträgen besteht ein Gegenpartei-Risiko gegenüber dem Emissionsinstitut. Natürlich wurden mehr oder weniger effiziente Schutzmassnahmen von den ETF-Emittenten getroffen, vor allem auch weil die europäische Gesetzgebung (OGAW) eine Absicherung in Höhe von 90% des ETF-Werts vorsieht. Das heisst, dass das Verlustrisiko für den Anleger im Falle eines Ausfalls der Gegenpartei theoretisch 10% des ETF-Werts beträgt. Das Problem der Entsprechung zwischen der Sicherheit und dem Basiswert, den der ETF versucht zu replizieren, bleibt jedoch bestehen.
Bei den ETCs (Exchange Traded Commodities/Certificates) und ETNs (Exchange Traded Notes) - die oft mit den ETFs gleichgesetzt werden, obwohl sie auf einer anderen Struktur basieren – ist das Gegenparteirisiko oft grösser, da das Produkt selbst betroffen ist. Auch hier bieten die Emittenten mehr oder weniger wirksame Schutzmechanismen durch Sicherheiten (Collateral) oder Versicherungsverträge von Drittparteien an. In jedem Fall ist eine sehr genaue Überprüfung der Zusammensetzung des Produkts unabdingbar.
Schliesslich existieren seit kurzem auch ETFs, die auf wenig liquiden Strategien wie Hedgefonds oder Private Equity basieren. Um solche Strategien treu in einem ETF abbilden zu können, müsste man künstliche Liquidität kreieren, was unserer Erfahrung zufolge unmöglich ist. Tatsächlich verwenden diese ETFs entweder statistische Modelle mit noch unzureichender Abbildungskapazität oder eine Replikation über separate Mandate eines begrenzten Universums von Strategien und Verwaltern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die jüngste Entwicklung von ETFs trotz ihres Rufs als einfaches Produkt eine gründliche Analyse zur Auswahl des richtigen ETFs nötig macht. Für diese Anstrengung erhält der Anleger im Gegenzug den Zugang zu einem sehr diversifizierten Universum. ETFs bieten so einen effizienten Zugriff auf viele verschiedene Sektoren, Themen und Anlagestile. Sie ermöglichen es, sich rasch bei einen Grundtrend zu engagieren und ebenfalls, sich daraus genau so schnell wieder zurückzuziehen. Sie eignen sich besonders gut zur Portfoliokonstruktion über den Core/Satellite-Ansatz und bieten zudem eine Alternative zu bestimmten Derivat-Strategien. |